Der Cross Innovation Hub wird mit Mitteln aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) co-finanziert.

Prototyping

Vorwärtsgewandt scheitern

Prototyping überall! Die Bedeutung von Prototypen ist in vielen Branchen von der Industrie über die Softwareentwicklung bis hin zur Kreativwirtschaft immer weiter gewachsen.

Da Prototypen helfen, Geld und Zeit zu sparen und falsche Entscheidungen frühzeitig zu erkennen, sind sie aus wirtschaftlicher Sicht sehr attraktiv. Wenn Unternehmen immer häufiger interdisziplinär arbeiten, stellt sich allerdings schnell heraus, dass die verschiedenen Branchen Prototyping ganz unterschiedlich einsetzen. In unseren Cross-Innovation-Projekten zeigt sich, dass das kreativwirtschaftliche Verständnis von Prototyping große Chancen für die anderen Branchen bietet.

Prototyping als Fertigungsverfahren

Aber von vorn: Ein Prototyp in der Industrie unterstützt als vereinfachtes Modell eines geplanten Produkts oder einer Dienstleistung Funktionsfähigkeit, Bedienbarkeit und Akzeptanz beim Kunden zu einem frühen Zeitpunkt. Das Herstellen einer unfertigen, groben Version des geplanten Produkts hat sich seit langem bewährt, bevor allzu viel Geld in die Entwicklung gesteckt wird. Dabei ist der Prototyp oft bereits so weit entwickelt, dass er in seiner Ausführung in Seriennähe gesehen wird und entsprechend ausgefeilt und differenziert ist.

Dieses hohe Niveau lässt sich nur verwirklichen, weil der Prototypen-Bau längst überwiegend digital stattfindet. Die Basis für Digital Prototyping stellt dabei ein 3D-CAD-Modell des Produktes dar – das kostet weniger Geld als physische Prototypen und geht oft schneller, die Beteiligten können mehrere Varianten mit wenig Aufwand ausprobieren und sie arbeiten ortsunabhängig zusammen. Bereits seit den 1980er Jahren wird Rapid Prototyping als ein Fertigungsverfahren eingesetzt, bei dem computerunterstütztes Konstruieren schnell in Werkstücke umgesetzt werden kann mithilfe eines 3D-Druckers.

Prototyping für kreative Teamprozesse

Daneben verläuft eine Entwicklungslinie des Prototypings, die aus dem Design kommend das hohe Niveau und das computergestützte Arbeiten bewusst beiseitelässt und stattdessen sehr viel einfacher und schneller, vorläufiger, kostengünstig und anschaulich arbeitet. Diese haptische Version des Prototypings hat eine ihrer Wurzeln in der Methode des Design Thinkings. Bill Burnett und Dave Evans, die beiden Design-Thinking-Experten an der Stanford University, sagen dazu:

„Wir bauen Prototypen [im Design Thinking], um gute Fragen zu stellen, Erfahrungen zu gewinnen, unsere Vorannahmen aufzudecken, schnell zu scheitern, vorwärtsgewandt zu scheitern, uns schrittweise an die Zukunft anzunähern und Empathie für uns selbst und andere aufzubauen“.

So werden schnelle und doch nachhaltige physische Erfahrungen gemacht mit Allerweltsmaterialien wie Papieren, Pappen, Stiften, Knete oder Lego-Steinen, die zu neuen Ideen oder neuen Anwendungen führen.

Offenheit für Neues fördern

Annika Fitz vom FabLab Fabulous St. Pauli in Hamburg hat dazu einen Workshop in unserem Cross Innovation Lab moderiert und dafür plädiert, Prototyping als einen haptischen Prozessbeschleuniger einzusetzen, der zu völlig Unerwartetem führen kann. Susan Pinternagel, Innovationsmanagerin bei der Firma Jungheinrich und Teilnehmerin beim Workshop, hat erlebt, wie Prototypenbau die Einstiegsschwellen senkt, die Mitarbeiter interdisziplinär zusammenbringt und dadurch die Offenheit für Neues und eine innovative Arbeitskultur gesteigert werden.

Wenn es beim designgetriebenen Prototyping gelingt, den einfachen Einstieg in ein gemeinsames Arbeiten in „professionellen Dilettantismus“ von höchstem Niveau weiterzuentwickeln, dann ist der gemeinsame Prototypenbau ein höchst kreativer Prozess mit innovativen Potentialen und bestens geeignet für Cross-Innovation-Entwicklungen.

Dr. Susanne Eigenmann

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Dr. Susanne Eigenmann

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