14.6.2019

Music WorX

Der Soundtrack des Lebens

Auf dem Smartphonescreen glitzert die Gischt in der Sonne. Gitarrenklänge wabern durch die Kopfhörer. Sofort wird das Streicheln der Meeresbrise auf der Haut spürbar. Sommerfeeling pur – und das alles wahlweise auf dem Sofa, im Büro oder in der U-Bahn. Die Groovecat-App macht es möglich.

Jakob Höflich, Markus Schwarzer und Joshua Weikert wissen um die Wirkungsmacht von Bild-Ton-Kompositionen. Sie sind die Gründer von Groovecat – einer mobilen Plattform, die es ermöglicht in der zugehörigen App aufgenommene Fotos und Videos mit Musik zu unterlegen und so den „Soundtrack des Lebens“ zu kreieren. Mit ihrem innovativen Konzept setzte sich Groovecat 2017 beim finalen Pitch des Music WorX Accelerators gegen diverse Musik-Start-ups aus ganz Europa durch und ergatterte den mit 5000 Euro dotieren Förderpreis. Kurz danach wurde das Team mit dem CyberOne Sonderpreis des Radiosenders bigFM sowie mit dem Titel Kultur- und Kreativpilot ausgezeichnet.

Interdisziplinarität – das Salz im Erfolgsrezept

Bevor sich die drei im Masterstudium an der Popakademie Baden-Württemberg kennenlernten, war jeder in einem anderen Teilbereich der Musikbranche beschäftigt. Getrieben durch die gemeinsame Leidenschaft für Musik und den geteilten Wunsch, die Zukunft zu gestalten, vereinten sich Markus BWL-, Joshuas IT- und Jakobs Marketing-Hintergrund zu einer sich ergänzenden Collage der Disziplinen – das Salz in Groovecats Erfolgsrezept.

Mittlerweile haben sie das Team um fünf weitere Personen vergößert und das Geschäftsmodell durch ein dynamisches Analyse-Tool erweitert: „Cyanite ist eine Künstliche Intelligenz, die die emotionale Wirkung von Musik vorhersagbar und damit besser planbar, aber auch einfacher kommunizierbar für Unternehmen macht.“ Das Fundament für den Konzeptausbau legte Groovecat bereits durch die Teilnahme bei Music WorX. Sie nutzten die ihnen gebotene Chance, sich mit Hamburger Branchenvertretern zu vernetzen und ließen sich in diesem Zuge von Musikberatern, Agenturen und Produktionsfirmen die Relevanz des Tools validieren. Momentan steht Cyanite kurz vor dem Markteintritt.

Wie das Bio-Siegel im Supermarkt

Der Fokus im Accelerator lag aber klar auf der Entwicklung der Groovecat-App: Jakob, Markus und Joshua entwarfen und bauten die Erfolgs-Rakete, der Accelerator diente als Treibstoff, der sie abheben ließ – „Wenn man noch keine Umsätze hat und sich mit Biegen und Brechen über Wasser hält, sind Büroplätze, Coachings und Workshops, monetäre Unterstützung und ein Rahmen, in dem man begleitet wird, super wertvoll.“

Die Gründer nutzen das Förderprogramm effektiv und wurden dafür belohnt – sie konnten im Anschluss an den Pitch-Sieg ihr erstes größeres Investment einheimsen, weitere folgten. Jakob führt dies auch auf die mit dem Gewinn einhergehende Reputation zurück: „Es gibt ja inzwischen eine ganze Menge an Start-ups dort draußen. Deswegen helfen Programme wie Music WorX natürlich extrem weiter, einen gewissen Stempel zu haben, der schnell Vertrauen bei Menschen erzeugt, die noch nichts von einem gehört haben. Das ist ein bisschen so wie das Bio-Siegel im Supermarkt.“

Hamburgs Start-up Szene: Hanseatisch pragmatisch und fokussiert

Während der Accelerator-Laufzeit war Groovecat in Hamburg tätig, die Wurzeln liegen in Mannheim und der Hauptstadt. Die Start-up-Szene der Hansestadt empfanden sie als pragmatisch und fokussiert: „Man muss einfach sagen, dass jede Stadt ihre ganz eigenen Vorteile und Charakterzüge mitbringt. In Mannheim sind es die Nähe und die schnelle persönliche Vernetzung, in Berlin die starke Dynamik und Kreativität und in Hamburg die Zielstrebigkeit und Klarheit.“ Als Vorteil empfanden sie in Hamburg die Nähe zu ansässigen Branchengrößen wie Warner Music. Diese zeigen, so die Erfahrung der Groovecat-Gründer, immer ein offenes Ohr für neue Ideen und junge Gründer. „Natürlich hat man es manchmal als Kreativ-Start-up in der Handels- und Schifffahrtsstadt etwas schwerer, auch von Investorenseite, aber trotzdem ist Hamburg ja auch die totale Medienstadt. Und einen ausschließlich auf die Musikbranche spezialisierten Accelerator gibt es nicht mal in Berlin.“

Alle an einem Strang

Energie zieht das Musik-Tech-Start-up aus positivem Kundenfeedback sowie aus jenen Momenten, in denen das komplette Team zusammenkommt, um die nächsten Monate zu planen, Ziele zu setzen und alle auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen – auch zusammen mit den Investoren. „Das ist einfach ein schönes Gefühl, wenn alle an einem Strang ziehen und an einer Vision arbeiten. Das ist auch irgendwie das, wo wir als Gründer gemeinsam mit dem Team am meisten wachsen und Motivation heraus ziehen.“

An der Schnittstelle von Musikindustrie, Tech und Engineering

Groovecat positioniert sich selbst zunehmend an der Schnittstelle von Musikindustrie, Tech und Engineering. Markus, Jakob und Joshua definieren sich als Entwickler von Lösungen und Tools, von denen sowohl Privatnutzer/innen als auch die Musikindustrie profitieren – „und das eben mit einem offenen, kollaborativen und transparenten Ansatz.“ Dabei liegt es den Gründern am Herzen, Diskussionen über die ethischen Aspekte der KI-Thematik anzuregen und in diesem Zuge stets die eigene Arbeit zu hinterfragen: „Künstliche Intelligenz wird unsere Welt verändern wie kaum etwas anderes. Richtig eingesetzt kann sie im Teamplay mit den Menschen zu Sinnarbeit und einer Rehumanisierung unserer momentanen Gesellschaft führen.“

Wo Groovecat sich in Zukunft sehen? „Als Mitgestalter der morgigen KI-Welt.“

Groovecat ist eine mobile Plattform, die es erlaubt individuelle „Musik-Momente“ einzufangen, zu speichern und zu teilen: Nutzer/innen nehmen in der App ein Video oder Foto auf und die Anwendung unterlegt das Bildmaterial automatisch mit der Musik, die gerade in der Umgebung oder auf dem Mobilgerät installierten Streamingdienst gespielt wird.

Im Juli wird das Team um Groovecat als Repräsentanten der deutschen Kreativwirtschaft auf dem Creative Business Cup in Kopenhagen anzutreffen sein.

Über Music WorX

Music WorX ist einer der wenigen Acceleratoren weltweit, der sich explizit an Start-ups und Gründer/innen aus der Musikwirtschaft wendet. Bis zu vier junge Unternehmen werden in einem komprimierten, dreimonatigen Programm finanziell gefördert und arbeiten intensiv mit der Unterstützung von Expert/innen und Mentor/innen aus der Hamburger Musikwirtschaft an der Weiterentwicklung ihrer Geschäftsidee. Die Bewerbungsfrist für den Music WorX Accelerator 2019 läuft noch bis zum 16. Juni 2019.

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