Der Cross Innovation Hub wird mit Mitteln aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) co-finanziert.

25.11.2019

Cross Innovation

Empathie in Innovationsprozessen – Fachkundig einfühlen

Foto: Riccardo Annandale via UnsplashFoto: Riccardo Annandale via Unsplash

Armin Warnecke ist Design Consultant beim Studio 'design for human nature' und Experte für Design, das menschliche Emotionen und Bedürfnisse in den Fokus stellt. Ein Gespräch über den Stellenwert von Empathie in innovationsorientierten Gestaltungsprozessen und kollaborativen Arbeitssituationen.

Was verstehst du unter Empathie im professionellen Kontext? Und spielt sie eine Rolle in deiner Arbeit?

Armin: Empathie ist die Grundvoraussetzung meiner Arbeit. Das bedeutet, die Lage der Menschen zu verstehen und ihre Probleme nachempfinden zu können. Aber auch über die Vorstellungskraft zu verfügen, zukünftige Probleme oder Situationen bewerten, nachfühlen oder vorfühlen zu können. Dieses Vorfühlen ist fast noch wichtiger als das Mitfühlen: Wo geht es hin, wo wollen wir eigentlich in ein paar Jahren sein und was brauchen Menschen dann?

Ich habe den Begriff Empathie im Zuge der Vorbereitung auf dieses Gespräch spaßeshalber gegoogelt – was ich an der gefundenen Definition sehr prägnant finde, ist, dass es nicht nur um die Fähigkeit zur Empathie geht, sondern auch um die Bereitschaft dazu. Das ist etwas, was ich definitiv habe. Für mich ist das sowohl im Job als auch privat extrem wichtig. Es ist aber auch etwas, was ich gerade ein wenig in der Welt vermisse – die Bereitschaft zur Empathie.

Der letzte Satz klingt ganz schön pessimistisch.

Armin: Heutzutage entstehen Entwicklungen oftmals nicht aus der Überlegung, was Menschen brauchen und wie es sich am Ende anfühlen soll, sondern eher aus der Frage, wie man den Umsatz oder die Verkaufszahlen steigern kann. Das ist selbstverständlich ein Teil unserer Arbeit, als Berater von Unternehmen, aber nicht unbedingt empathisch mit dem, was Menschen bewegt.

Würdest du die Kompetenz zur Empathie denn primär bei den Kreativschaffenden und in der Kreativwirtschaft verorten?

Armin: In Bezug auf Design würde ich sagen, dass ich nicht für Menschen gestalten kann, deren Situation ich nicht verstehe. Dementsprechend ist vielleicht das Design als Beispiel für professionelle Empathie sehr gut geeignet: Design ist ein Bereich, in dem Empathie Voraussetzung ist – zumindest für erfolgreiches Design.

Empathie als generelle Kompetenz würde ich jedoch nicht ausschließlich mit einem bestimmten Geschäftsfeld oder einem speziellen Beruf, wie dem des Designers, verbinden. Ich glaube, dass alle Menschen von Grund auf empathisch sind und dass Empathie auch in anderen Unternehmen gelebt und vielleicht auch gefördert wird. Das ist kein Hoheitsgebiet von Designern, aber ich würde schon sagen, dass Empathie hier mehr gelebt und mehr angewendet wird als in anderen Bereichen.

Ergeben sich daraus neue Geschäftsfelder? Für Designerinnen und Designer, aber auch für andere Kreativschaffende?

Armin: Ich denke, dass sich neue Geschäftsfelder durch den Kontext der Weltentwicklung ergeben. Bestehende Geschäftsfelder entwickeln sich weiter und Designer können auch hier Empathie hineingeben. Aus der eigenen Erfahrung kann ich sagen, dass große Unternehmen und Konzerne langsam beginnen, die Arbeitsbedingungen zu verbessern: Die meisten Menschen verbringen fünf von sieben Tagen in der Woche, und den Großteil der Wach-Zeit des Tages, im Büro. Dementsprechend sollte die Arbeitsumgebung auch ein lebenswerter Raum sein. Das hat für mich sehr viel mit Empathie zu tun. Für uns ist es ein relativ neues Geschäftsfeld, die Unternehmen zu beraten, die diese Veränderungen bei sich einführen wollen. Das bedeutet sowohl den Paradigmenwechsel sichtbar zu machen als auch die Unternehmenskultur zu definieren. Wir helfen dabei, sie gemeinsam mit ihnen zu entwerfen und umzusetzen.

Du bist ein Teil des Pools der Kreativen im Cross Innovation Lab 2019. Dort gehst du über einen Zeitraum von sechs Wochen gemeinsam mit Industriebetrieben und Kreativschaffenden die Innovationsbedarfe der Unternehmen an. Wie beurteilst du im Lab die Zusammenarbeit zwischen den Kreativschaffenden und den Industrieunternehmen?

Armin: Bei design for human nature haben wir immer eine sehr gute soziale, empathische Basis zu den Unternehmen, aber es bleibt oft bei dem Kunden-Dienstleisterverhältnis. Im Cross Innovation Lab bricht diese Barriere auf, indem sowohl die Kreativschaffenden als auch die Industriepartner aus ihren jeweiligen Kontexten herausgenommen werden und einander auf neutralem Boden begegnen. Ich finde es sehr angenehm, dass, wenn wir in der Gruppe zusammensitzen, quasi keine vertikale Hierarchie herrscht. Und die Zusammenarbeit im Team ist auch sehr offen. Natürlich gibt es Fragen zu klären wie: Wer macht denn jetzt was? Wer organisiert das? Aber bis jetzt haben alle Teams sehr gute Fortschritte gemacht. Und das ist bestimmt ein Resultat von guter Zusammenarbeit. Also bei uns war es auf jeden Fall lustig, locker und produktiv – das war gut!

Welche Rolle spielt bei der cross-sektoralen Zusammenarbeit die Fähigkeit zur Empathie?

Armin: Ich würde sagen, dass sie die Basis und Voraussetzung ist. Auf der Seite der Kreativen, die das vielleicht schon ein bisschen mehr im Blut haben, in dem Sinne, dass sie die Bedürfnisse der Industriepartner verstehen müssen. In die andere Richtung – von den Industriepartnern zu den Kreativen – ermöglicht Empathie eine gute Zusammenarbeit. Mit anderen Worten: Wenn Empathie besteht, zu den Kreativen, wenn sie verstanden werden – woher sie kommen, warum sie an diesem Projekt mitarbeiten, was ihre Kernkompetenzen sind – dann ist Empathie ein Multiplikator, mit dem die Zusammenarbeit besser funktioniert.

Danke für das Gespräch, Armin!

Armin Warnecke studierte Industriedesign in Kiel. Nach einem Auslandsaufenthalt in Boston und einer knapp dreijährigen Selbständigkeit stieg Armin 2016 als Junior Designer bei 'design for human nature' ein. Heute ist er dort als Design Consultant tätig und zuständig für die Akquise, Kundenbetreuung sowie das Management und die Umsetzung von Projekten. 

Über das Cross Innovation Lab

Im Herbst 2019 setzen wir ein experimentelles Format fort, das Synergien und bislang ungenutzte Innovationspotentiale in der temporären Zusammenarbeit von Entwickler-Teams aus der Industrie und hochqualifizierten Spezialistinnen und Spezialisten aus der Kreativwirtschaft zugänglich macht: das Cross Innovation Lab. Für eine Dauer von sechs Wochen (Mitte Oktober bis Anfang Dezember 2019) entsteht eine mit Prototyping-Werkzeug ausgestattete Workshop- und Ausstellungsfläche. Hier gehen interdisziplinäre Teams die Innovationsvorhaben oder -bedarfe der Industrie an.

 

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