Welche Vorteile hat das?
Werle: Es ermöglicht, städtebauliche Fragen direkt zu testen. Entstehen dunkle Angsträume? Sind Freiräume gut nutzbar? Solche Aspekte lassen sich digital simulieren und mit den Erfahrungen der Menschen abgleichen.
Was muss politisch passieren, damit klimafreundliche Stadtentwicklung vorankommt?
Toscano: Die Phase Null, also die frühe Beteiligung vor der Planung, muss verpflichtend werden. Heute ist sie oft nur freiwillig, was dazu führt, dass Beteiligungsergebnisse später ignoriert werden.
Werle: Außerdem brauchen wir flexiblere Baugesetze. Viele Umbauprojekte scheitern an veralteten Vorschriften, die nicht mehr zeitgemäß sind.
Toscano: Das ist richtig. Wenn zum Beispiel ein Parkhaus zu Wohnraum umgebaut werden soll, müsste man die Decken dämmen. Dadurch verringert sich aber die Raumhöhe – oder die Dämmung stimmt nicht. Nach den geltenden Vorschriften darf Wohnraum erst ab einer Mindesthöhe von 2,40 Metern entstehen. Wenn die Höhe durch die Dämmung wenige Zentimeter darunter liegt, oder der Dämmwert zu schlecht ist, macht das eine sinnvolle Umnutzung nicht möglich und das Gebäude wird zum Abrisskandidaten.
Was sind eure Hoffnungen für die Zukunft?
Werle: Es ist wichtig, dass digitale Gebäudedaten konsequent genutzt werden, um faktenbasierte Entscheidungen zu treffen. Wir brauchen eine bessere Datengrundlage, um Nachhaltigkeit im Bestand zu ermöglichen.
Toscano: Mein Wunsch ist, dass Menschen wirklich mitgestalten können. Stadtplanung darf nicht im stillen Kämmerlein stattfinden. Die Menschen vor Ort müssen mitentscheiden, wie ihre Stadt sich entwickelt, und zwar auf Basis von Wissen, nicht nur auf Basis von Vermutungen.