Ein Beispiel: Ende letzten Jahres hatte Jochen Ambacher eine Kundenanfrage an „Made auf Veddel” für die Produktion von rund 250 individualisierten Beanies. „Der Kunde wollte fertige Mützen aus 100 Prozent Acetat bei uns branden lassen. Also habe ich Mone mit dem Ziel angerufen, es besser hinzukriegen“, erzählt der Modedesigner. Der Kunde willigt ein, denn die Mützen sind trotz lokaler Produktion nur unwesentlich teurer. „Noch am selben Tag ist Mone in die Produktion des Stoffes gegangen.“ Das Ergebnis: Merino statt Acetat, Veddel statt Ausland, Unikat statt Massenware. Und für die beiden FABRIC Members ergab sich ein Auftrag, den sie einzeln nicht hätten annehmen können – und somit tatsächlicher wirtschaftlicher Mehrwert.
Ein Blick in die Zukunft
Doch nicht nur die „Made in Hamburg“-Kollektion zeigt neue Wege auf. Dramis stellt klar, dass das FABRIC gerade Pionierarbeit leiste, die auch überregional beobachtet und adaptiert werde. Bund, Länder und Branche wissen um den Nutzen des FABRIC. „Wir sind eine Blaupause für zukünftige Labs, die sich daraus entwickeln können.“
Denn: Das FABRIC ist hierzulande einzigartig. Der Status quo urbaner Modeproduktion in Deutschland baut sich zusammen aus privatwirtschaftlichen Produktionsstätten, Maker Spaces ohne expliziten Modefokus und spezialisierten Micro Factories. Außerdem gebe es Hubs für Netzwerk und Coworking – aber eben keinen Ort, der alles vereine.
Dass der Leuchtturm auch Richtung Presse und Öffentlichkeit strahlt, ist ein weiterer wichtiger Faktor. Denn die Hamburger Modebranche sei bei Weitem nicht „so laut und präsent“, wie sie es verdient hätte, wissen die Modeschöpfer*innen Unmüßig und Ambacher. Das FABRIC schaffe dringend benötigte Aufmerksamkeit.
Und: „Je länger so ein Projekt existieren darf, umso mehr kann es sich entwickeln. Mode ist zwar eine schnelle Sache, aber gleichzeitig brauchen Dinge auch ihre Zeit. Und wenn man so einen Ort weitergehen lässt, wird er immer lebendiger“, sagt Mone Unmüßig. Bis Ende 2026 ist das FABRIC bisher gesichert – und zeigt, was möglich ist.