Was sind aktuell die größten Herausforderungen?
Hamburg ist eine wachsende und sich stark verdichtende Stadt. Neben dem Preisdruck ist deshalb die Verfügbarkeit von Flächen ein großes Thema. Es setzen Verdrängungseffekte ein und bestimmte Nutzungen lassen sich immer schwieriger unterbringen. Das merken wir besonders stark in der Musikwirtschaft. Die Kreativ Gesellschaft arbeitet deshalb mit der Stadt daran, Standorte für Clubs zu sichern und neue Orte zu entwickeln – zum Beispiel auf der Reeperbahn und im Oberhafen. Institutionen wie das Molotow sind wichtig für eine Stadt: Es sind auch die Kultur- und Kreativorte, die Menschen dazu bewegen, für ihren Lebensmittelpunkt nicht die Provinz, sondern die Großstadt zu wählen. Zu den Herausforderungen zählt auch das Thema Genehmigungen. Wenn Kreative und kreativwirtschaftliche Unternehmen in Immobilien gehen, dann passen die ursprünglichen Nutzungstypologien häufig nicht mehr. Weil auf dem gleichen Raum eben nicht nur Einzelhandel oder Büroarbeit stattfindet, sondern auch Produktion oder Veranstaltungen.
Diese Themen könnt ihr nicht allein lösen. Wie funktioniert die Zusammenarbeit mit der Stadt?
Als Teil der Stadt Hamburg arbeiten wir sehr eng mit den Behörden und anderen städtischen Institutionen an Lösungen. Ein gutes Beispiel für Mut zum Experiment ist das Thema Innenstadt. Zum einen mit der Förderung von Pilotprojekten, die verborgene Potenziale der Innenstadt sichtbar machen. Und zum anderen mit dem FABRIC – Future Fashion Lab, das die Chancen urbaner Modeproduktion auslotet.
Die Hamburg Kreativ Gesellschaft vermittelt und vermietet Räume in der ganzen Stadt. Welche Orte ragen dabei besonders heraus?
Der Jupiter in der Mönckebergstraße ist natürlich ein ganz besonderes Projekt. Allein schon durch die Größe und architektonischen Herausforderungen des ehemaligen Kaufhauses, das wir im Rahmen von Frei_Fläche für temporäre Kreativnutzungen geöffnet haben. Aber auch, weil sich Jupiter als kreativer und offener Ort für die Stadtgesellschaft als Ganzes etabliert hat. Einen anderen, aber gleichermaßen spannenden Ansatz verfolgen wir bei Kreativimmobilien wie dem Speicher M28. Hier versammeln wir ein Cluster aus Kreativunternehmen mit Technologie- schwerpunkt.
Zum Abschluss ein Ausblick: Welche Immobilienthemen werden die Kreativ Gesellschaft in den kommenden Jahren besonders beschäftigen?
Räume für Kreative zu sichern und zu schaffen, bleibt eine wichtige Aufgabe – und ist Teil unserer DNA. Transformation ist dabei ein zentrales Konzept, das uns auch in Zukunft stark beschäftigen wird: von einzelnen Gebäuden, größe- ren Arealen oder der ganzen Innenstadt. Gerade in den Kreativarealen, also räumlichen Clustern für die Branche, sehen wir große Synergien und Potenziale für eine Stärkung der Kreativwirtschaft. Ob im Oberhafen, dem Hochwasserbassin im Hamburger Osten oder am Diebsteich. Die Stadt profitiert davon, gute Arbeitsbedingungen für Kreativschaffende zu bieten und sich so selbst als kreative Stadt zu positionieren.