Räume sind Teil unserer DNA

Die Geschichte beginnt in einem sanierungsbedürftigen Schulungszentrum in Rothenburgsort, der ersten von der Hamburg Kreativ Gesellschaft verwalteten Immobilie.

Die Erfolgsgeschichte begann in einem sanierungsbedürftigen Schulungszentrum in Rothenburgsort, der ersten von der Hamburg Kreativ Gesellschaft verwalteten Immobilie. Heute vermittelt sie Räume in der ganzen Stadt – von spannenden Off-Locations bis zu innerstädtischen Premiumlagen – und ist gefragte Expertin für urbane Räume. Seit einem Jahrzehnt für diese Entwicklung mitverantwortlich: Dr. Katja Wolframm, Leiterin des Bereichs Immobilien und Stadtentwicklung.

Die Erschließung und Vermittlung von Räumen für Kreative ist seit der Gründung ein zentraler Aufgabenbereich der Hamburg Kreativ Gesellschaft. Was zeichnet die Expertise des Immobilienteams aus?

Wir blicken aus mindestens zwei Perspektiven auf das Thema Raum. Mit der Binnensicht der Kreativwirtschaft und dem damit verbundenen Ziel, passgenaue Arbeitsräume und Produktionsorte für die Akteur*innen der Branche zu finden. Und mit einer Außenperspektive, aus der kreative Orte ein enormes Potenzial für die Stadtentwicklung, für eine belebte Innenstadt und attraktive Quartiere bieten.

Warum ist das Thema Raum so essenziell für Kreative?

Jede Branche benötigt bestimmte Räume für optimale Arbeitsbedingungen. Tatsächlich gibt es in der Kreativbranche Raumbedarfe, die auf dem regulären Immobilienmarkt gar nicht zum Zuge kommen. Sei es, weil wir sehr preissensible Bereiche wie die bildenden oder darstellenden Künste haben. Oder weil mehrere Assetklassen in einer Nutzung kombiniert werden müssen: zum Beispiel ein Designstudio, das neben klassischen Büroarbeitsplätzen auch eine Werkstatt mit vier Metern Deckenhöhe für Prototypen benötigt. Für viele dieser Raumbedarfe verzeichnen wir eine Angebotslücke auf dem Markt.

Lassen sich dabei Entwicklungen erkennen?

Die Lücken und Handlungsbedarfe verschieben sich. Ein Beispiel: Zu Beginn haben wir viele Anfragen zu Einzelarbeitsplätzen bekommen. In den letzten Jahren wurden immer mehr Co-Working-Spaces eröffnet, sodass fast ein Überangebot herrscht. Manche Raumbedarfe lassen sich durch den Markt decken – für den anderen Teil braucht es Programme und Wirtschaftsförderer wie die Kreativ Gesellschaft.

Ist es schwieriger geworden, Räume für die Kreativbranche zu erschließen?

Wir erleben tatsächlich ein wachsendes Interesse der Im- mobilienwirtschaft an kreativen Nutzungen. Dazu trägt unser Förderprogramm Frei_Fläche erheblich bei, weil es leer stehende Gewerbeflächen für kreative Zwischennutzungen öffnet und dabei für positive Erfahrungen sorgt. Frei_Fläche ist eine gute Übergangslösung für die Transformation von Innenstadt oder Quartierszentren – und bekämpft ganz konkret die negativen Effekte von Leerstand. Die Folgen der Coronapandemie haben neben dem Einzelhandel auch Auswirkungen auf den Büromarkt. Vermieter*innen und Eigentümer*innen stellen sich vermehrt die Frage: Wie bekomme ich einen funktionierenden Nutzungsmix innerhalb eines Objekts? Kreativwirtschaftliche Nutzungen sind immer öfter ein Teil der Antwort.

„Institutionen wie das Molotow sind wichtig für eine Stadt: Es sind auch die Kultur- und Kreativorte, die Menschen dazu bewegen, für ihren Lebensmittelpunkt nicht die Provinz, sondern die Großstadt zu wählen.“

Was sind aktuell die größten Herausforderungen?

Hamburg ist eine wachsende und sich stark verdichtende Stadt. Neben dem Preisdruck ist deshalb die Verfügbarkeit von Flächen ein großes Thema. Es setzen Verdrängungseffekte ein und bestimmte Nutzungen lassen sich immer schwieriger unterbringen. Das merken wir besonders stark in der Musikwirtschaft. Die Kreativ Gesellschaft arbeitet deshalb mit der Stadt daran, Standorte für Clubs zu sichern und neue Orte zu entwickeln – zum Beispiel auf der Reeperbahn und im Oberhafen. Institutionen wie das Molotow sind wichtig für eine Stadt: Es sind auch die Kultur- und Kreativorte, die Menschen dazu bewegen, für ihren Lebensmittelpunkt nicht die Provinz, sondern die Großstadt zu wählen. Zu den Herausforderungen zählt auch das Thema Genehmigungen. Wenn Kreative und kreativwirtschaftliche Unternehmen in Immobilien gehen, dann passen die ursprünglichen Nutzungstypologien häufig nicht mehr. Weil auf dem gleichen Raum eben nicht nur Einzelhandel oder Büroarbeit stattfindet, sondern auch Produktion oder Veranstaltungen.

Diese Themen könnt ihr nicht allein lösen. Wie funktioniert die Zusammenarbeit mit der Stadt?

Als Teil der Stadt Hamburg arbeiten wir sehr eng mit den Behörden und anderen städtischen Institutionen an Lösungen. Ein gutes Beispiel für Mut zum Experiment ist das Thema Innenstadt. Zum einen mit der Förderung von Pilotprojekten, die verborgene Potenziale der Innenstadt sichtbar machen. Und zum anderen mit dem FABRIC – Future Fashion Lab, das die Chancen urbaner Modeproduktion auslotet.

Die Hamburg Kreativ Gesellschaft vermittelt und vermietet Räume in der ganzen Stadt. Welche Orte ragen dabei besonders heraus?

Der Jupiter in der Mönckebergstraße ist natürlich ein ganz besonderes Projekt. Allein schon durch die Größe und architektonischen Herausforderungen des ehemaligen Kaufhauses, das wir im Rahmen von Frei_Fläche für temporäre Kreativnutzungen geöffnet haben. Aber auch, weil sich Jupiter als kreativer und offener Ort für die Stadtgesellschaft als Ganzes etabliert hat. Einen anderen, aber gleichermaßen spannenden Ansatz verfolgen wir bei Kreativimmobilien wie dem Speicher M28. Hier versammeln wir ein Cluster aus Kreativunternehmen mit Technologie- schwerpunkt.

Zum Abschluss ein Ausblick: Welche Immobilienthemen werden die Kreativ Gesellschaft in den kommenden Jahren besonders beschäftigen?

Räume für Kreative zu sichern und zu schaffen, bleibt eine wichtige Aufgabe – und ist Teil unserer DNA. Transformation ist dabei ein zentrales Konzept, das uns auch in Zukunft stark beschäftigen wird: von einzelnen Gebäuden, größe- ren Arealen oder der ganzen Innenstadt. Gerade in den Kreativarealen, also räumlichen Clustern für die Branche, sehen wir große Synergien und Potenziale für eine Stärkung der Kreativwirtschaft. Ob im Oberhafen, dem Hochwasserbassin im Hamburger Osten oder am Diebsteich. Die Stadt profitiert davon, gute Arbeitsbedingungen für Kreativschaffende zu bieten und sich so selbst als kreative Stadt zu positionieren.

Zur Person

Dr. Katja Wolframm studierte Wirtschafts-
und Sozialwissenschaften an der Universität Lüneburg. Nach dem Studium ging es zweigleisig weiter: einerseits als Geschäftsführerin eines Ladens für handwerklich hergestelltes Modedesign, andererseits promovierte sie über das Thema „Region in der globalen Wirtschaft“. Bei der Hamburg Kreativ Gesellschaft ist sie zuständig für Fragen zu Gewerbeimmobilien, Zwischennutzungen und Ansprechpartnerin für Mietobjekte.

Dr. Katja Wolfram

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