Akteur*innen der Kreativwirtschaft stehen in Sachen Finanzen vor besonderen Herausforderungen: Wer selbstständig ist, muss eigenverantwortlich für die Rente, aber auch für Unwägbarkeiten wie die Berufsunfähigkeit vorsorgen. Prekäre Arbeitsverhältnisse ohne feste Verträge oder mit geringer Entlohnung sind keine Seltenheit. Die Gender Pay Gap klafft in der Kreativwirtschaft besonders deutlich, der Eintritt in die Künstlersozialkasse (KSK) ist ein bürokratischer Kraftakt. Kurzum: Diverse Bedingungen erschweren die eigene Finanzplanung.
Hinzu kommt fehlende Bildung: Selina Haupt, Co-Founderin von moneten, erzählt auf dem German Creative Economy Summit 2025, mit welchen Grundvoraussetzungen (nicht nur) Kreative in die Finanzvorsorge starten. „Die hiesige Finanzbildung ist unzureichend. Weder in der Schule noch in der Ausbildung lernen wir, was es bedeutet, finanziell vorzusorgen.“ Oft stamme das Wissen lediglich aus dem eigenen Elternhaus: andere Generation, andere Möglichkeiten, andere Voraussetzungen.
„Deswegen haben wir Angst vor Fehlentscheidungen und tendieren dazu, eher Finanzberater*innen zu vertrauen als uns selbst“, sagt Haupt auf dem Panel „Cash & Care: Honorare verhandeln, Fair Pay erreichen, Altersvorsorge planen“.
Doch was können Kreative tun, um ihre Finanzen selbst in die Hand zu nehmen? Fünf Tipps helfen, sich auf den Weg zu machen. Spoiler: Das ist kein Sprint, sondern ein Marathon.
1. Mit dem eigenen Money Mindset auseinandersetzen
Bevor Kreative in Sachen Finanzen aktiv werden, empfiehlt Haupt, sich mit dem eigenen Money Mindset auseinanderzusetzen – also die eigene Haltung zum Thema Geld zu erkunden. Dabei helfen Fragen wie: Woher kommt meine persönliche Einstellung zu Geld? Wie gehe ich aktuell mit meinen Ressourcen um? Was sind mögliche Glaubenssätze über Erfolg oder Sicherheit, die ich verinnerlicht habe?
Wer beispielsweise behauptet, „Geld ist mir nicht wichtig“, meint vielleicht eher entsprechende Statussymbole, als die Moneten selbst – und verhindert so, das Thema ernst zu nehmen. Das eigene Money Mindset zu analysieren, hilft, internalisierte Einstellungen und Ängste zu verstehen, zu überkommen und eine positive Beziehung zum Thema Finanzen aufzubauen.
2. Überblick verschaffen und finanzielle Ziele definieren
Der nächste Schritt einer selbstbestimmten Finanzplanung ist, den eigenen Status quo zu verstehen. Dabei hilft ein klassisches Haushaltsbuch: Kreativschaffende sollten für mindestens drei Monate alle Einnahmen und Ausgaben dokumentieren, um einen realistischen Überblick über die eigene finanzielle Situation zu bekommen. Gerade Selbstständige kennen schwankende Einkünfte und sollten ihren Kontostand über einen längeren Zeitraum beobachten. So können sie verstehen, wie hoch ein Tagessatz sein muss, der alle Kosten deckt – und welche Summe überhaupt für Vorsorge und Investments zur Verfügung steht.