Wieso stellt diese Frage viele vor Herausforderungen?
Ich glaube die Auseinandersetzung mit dem Thema fällt schwerer, wenn sie nicht bereits im Studium vermittelt wurde. Unternehmertum und Kreativität sind ja gar kein Widerspruch. Viele werden das aus ihrer eigenen Studienzeit kennen, dass immer noch eine Rivalität zwischen dem Ideal der freien Kunst auf der einen Seite und dem tradierten Bild des freien Marktes, also Gewinnmaximierung durch Angebot und Nachfrage, vorherrscht. Die Rivalität zwischen diesen beiden Anschauungen besteht immer noch recht stark. Das funktioniert aber so nicht mehr. Es braucht einen Kulturwandel. Wir müssen damit aufhören, Unternehmertum und Kreativleistungen voneinander zu trennen, denn diese gehören zusammen. Spätestens bei der ersten Gründung oder beim Einstieg in die Selbstständigkeit wird das vielen bewusst.
Wie sensibilisiert ihr Kreative an der Hochschule für das Thema Unternehmertum?
Was wir unseren Studierenden in den kreativen Studiengängen vermitteln möchten, ist unternehmerische Handlungskompetenz. Nicht allein auf der betriebswirtschaftlichen Ebene, sondern, wie schon gesagt, auch auf der sozial-interaktiven Ebene. Dazu gehört neben der Einschätzung der eigenen Leistung auch die Fähigkeit, sich und die eigene Leistung anderen erklären zu können. Des Weiteren sensibilisieren wir, welche Bedeutung Netzwerke und Kooperationen in der Kreativwirtschaft haben und wie man solche findet, aufbaut, pflegt und nutzen kann. Der Creative Economy Summit ist ja auch ein wichtiges Forum, um Kontakte zu knüpfen und Netzwerke aufzubauen. Das alles hat eine direkte aber auch indirekte Auswirkung auf den Erfolg der eigenen künstlerischen Unternehmung oder des kreativen Startups.
Was ist dein Eindruck: Wie oder wo entstehen die Ideen für die Gründungen?
Die Ideen kommen bei uns an der Hochschule überwiegend aus dem Fachbereich Gestaltung. Da kommen die Ideen her, die wirklich Potenzial haben. Das ist interessant, weil der Irrglaube vorherrscht, dass die meisten Gründungen aus der BWL kommen. Denn in den kreativen Studiengängen werden konkrete innovative Lösungen von gesellschaftlichen Problemen mit gestalterischen Mitteln gefunden und umgesetzt. Interessant wird es aber dann, wenn diese Kreativen mit ihren Produkten zum Beispiel ein Startup gründen möchten und hierfür finanzielle Mittel benötigen. Dann reicht eben kreatives und technisches Knowhow nicht mehr aus, sondern es wird besagte unternehmerische Handlungskompetenz benötigt. Wenn ein Startup Team Investor*innen gewinnen oder einen größeren Bankkredit erhalten möchte, müssen diese unternehmerisch überzeugend erklären können, wo sie mit der Firma hinmöchten, wer die Kund*innen sind, welchen Nutzen diese von dem Produkt haben und dass sich das Investment auch auszahlen wird.