JvM baut ein eigenes KI-Tool – und zählt dabei weiterhin auf Kreative

Robert Andersen, Managing Creative Director bei Jung von Matt CREATORS, optimiert mit seinem Team kreative Schaffensprozesse – zum Beispiel mit dem KI-Tool STABLES. Ein Gespräch über Wirkung und Potenziale.

Mit STABLES hat Jung von Matt ein KI-Tool entwickelt, das hochwertige, schnelle und kostengünstige Contenterstellung ermöglicht. Wir sprachen mit Robert darüber, wie das funktioniert, für welche Kund*innen STABLES interessant ist und warum das Tool die Leistung Kreativer nicht gänzlich ersetzen kann.

Hallo Robert, mit Jung von Matt verbinden viele große Kampagnen, charaktervolle Designs und hohes Werbebudget. Wie passt ihr mit CREATORS da rein?

Jung von Matt CREATORS ist die AI-Agentur von Jung von Matt. Wir möchten Unternehmen dabei helfen, kreativ(er) zu arbeiten – nicht, indem wir Ihnen Dienstleistungen anbieten, sondern indem wir ihnen Maschinen bauen, mit denen sie kreativ arbeiten können. Dafür haben wir das Tool STABLES entwickelt.

Worum geht es bei STABLES?

Wir haben unsere Erfahrungen aus der Werbefotografie in ein Tool überführt, das es unseren Kund*innen ermöglicht, Content schneller und gezielter anzupassen und weiterzuentwickeln. Dafür haben wir uns bestehende Open-Source-Modelle genommen und durch sogenanntes Finetuning für die Generierung von Produktinszenierung verbessert.

Wie seid ihr bei der Entwicklung vorgegangen?

Um das zu erreichen, mussten wir uns mit der Frage auseinandersetzen, wie wir Produkte fotografieren. Nehmen wir Autos: ein Sportwagen wird anders fotografiert und in Szene gesetzt als ein SUV – und so ist es auch bei anderen Produkten. Wir haben dieses Wissen über viele Jahre aufgebaut und es schließlich genutzt, um unseren Kund*innen ein Tool an die Hand zu geben, mit dem sie die Produktion von Bildern automatisieren können.

"Wir haben schnell gemerkt, dass es beim Bild nicht bleibt. Content wird ja nicht nur in Bildform ausgespielt – unsere Kund*innen brauchen Claims, Captions, Audios usw."

Ist STABLES denn ausschließlich für die Bilderstellung gedacht?

Nein, Wir haben schnell gemerkt, dass es beim Bild nicht bleibt. Content wird ja nicht nur in Bildform ausgespielt – unsere Kund*innen brauchen Claims, Captions, Audios usw. STABLES hat sich zu einer Plattform entwickelt, die die neuesten AI-Modelle integriert.

Nutzt ihr das Tool auch intern oder ist es ausschließlich ein Produkt für Kund*innen?

Wir haben frühzeitig dafür gesorgt, dass jeder in der Agentur Zugang hat und mit KI experimentieren kann: Also eine GDPR-konforme Nutzung der neuesten GPTs sowie ein lokaler Bildgenerator.

Für welche Kund*innen ist STABLES interessant?

Vor allem für Marketingabteilungen mit großem Contentbedarf. Bleiben wir beim Beispiel des Automobilherstellers. Der Launch eines neuen Modells ist mit großen Investitionen verbunden. Mit KI ist die Contentherstellung entlang der Customer Journey preiswerter und flexibler. Die Stadt im Hintergrund, die Nummernschilder, der Text – das alles skaliert direkt aus dem Prompt heraus mit der Angabe des Automodells und der Zielgruppe.

Und die Daten dafür werden aus anderen Systemen gespeist?

Genau, das Tool kommuniziert im besten Fall mit den anderen Systemen – bspw. einem Produktinformationsmanagementsystem, wo alle Daten zu den Autos abgelegt sind. Diese Daten zieht sich das Tool raus und passt die Autoteile für den jeweiligen Markt an. Es lassen sich aber auch zielgruppenspezifische Parameter direkt in das Tool implementieren, sodass diese direkt beim Prompten berücksichtigt werden.

Worin liegt der Vorteil gegenüber herkömmlichen Prozessen?

Bislang sieht es oft noch so aus, dass immer ein neues Shooting oder eine Serie von 3D-Renderings gemacht werden müssen. Die Qualität ist super, aber leider ist es sehr zeitaufwendig und teuer. Dadurch leiden viele Unternehmen an einer strukturellen Content-Armut. Sie können Channels nicht nativ bespielen und müssen das immer gleiche Bild verwenden. Von Personalisierung ganz zu schweigen.

Und das sehen auch die potenziellen Kund*innen...

Genau. Aber alle machen den „Fehler“ nicht aus Unwissenheit, sondern aus Budget-Limitierung. Und diese Limitierung kannst du durch KI gut auffangen. Im Gegenteil: Auf diese Weise brauchst du nicht mehr von Kampagne zu Kampagne denken, sondern kannst das Produkt-Storytelling unendlich anpassen oder weiterentwickeln. Wir sprechen in diesem Zusammenhang von Infinite Stories.

Habt ihr ein eigenes Team von Programmierer*innen oder arbeitet ihr mit externen Dienstleistern zusammen?

Wir haben ein eigenes Team von Programmierer*innen, Produktmanager*innen und Kreativen. Insgesamt sind wir etwa 70 Personen in Hamburg und München. Das Team kann also GenAI sowohl aus technologischer als auch aus kreativer Sicht vorantreiben.

Wie wird es mit STABLES weitergehen?

Für uns ist es wichtig, dass wir nah an den sich immer weiter verändernden Bedürfnissen der Kund*innen sind. Wir müssen uns immer fragen “bauen wir das Produkt oder bauen wir das Feature zu einem anderen Produkt?”.

"Bei STABLES geht es um skalierende Kreativität. Die größte Arbeit steckt allerdings darin, herauszufinden, wofür eine Marke eigentlich stehen soll. Diese strategische und kreative Arbeit wird weiterhin nicht durch KI zu ersetzen sein."

Es werden zunehmend Use Cases angefragt, in denen wir STABLES in andere Contentmanagementsysteme wie bspw. Frontify, Censhare oder Uptempo integrieren sollen. Ich glaube, dass das langfristig gut funktionieren kann, denn alle unsere Kund*innen nutzen eines dieser Systeme.

Gibt es etwas, das STABLES oder andere KI-Tools auf dem Markt an kreativer Leistung nicht ersetzen können?

Bei STABLES geht es um skalierende Kreativität. Die größte Arbeit steckt allerdings darin, herauszufinden, wofür eine Marke eigentlich stehen soll. Diese strategische und kreative Arbeit wird weiterhin nicht durch KI zu ersetzen sein. Hinzu kommt, dass Bild-Kreationsprozesse immer noch mit Fotograf*innen oder Regisseur*innen stattfinden. Nicht, weil es nicht anders geht, sondern weil sie einen wesentlichen Einfluss auf die Qualität des Endproduktes haben. Aber davon ausgehend können KI-Tools verwendet werden, um Marken neu zu inszenieren und sie näher an den Kunden zu bringen. Infinite Stories anstatt einmaliger Kampagnen.

Danke für das Gespräch!

Zur Person

Robert Andersens Lieblingsort ist dort, wo Technologie und Kreativität zusammentreffen. Der preisgekrönte Managing Creative Director berät bei Jung von Matt Marken – als Kreativer für die digitale Transformation und als Business-Stratege für Wachstum. Er ist Dozent an der Swiss Ad School Zürich und an der JvM Academy Hamburg.

Robert Andersen

Robert Andersen

Managing Creative Director bei Jung von Matt

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