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Finanzplanung für Selbstständige in 7 Schritten

Diese Schritt-für-Schritt-Anleitung hilft, einen eigenen Finanzplan zu entwickeln.

Finanzplanung für Selbstständige in 7 Schritten -

Finanzen gehören zur Selbstständigkeit dazu – auch wenn sie nicht Teil der eigentlichen Arbeit sind. Sich selbst um Einkommen, Rücklagen, Steuern und Rente zu kümmern, kann ganz schön überfordern. Diese Schritt-für-Schritt-Anleitung hilft, einen eigenen Finanzplan zu entwickeln.

Sandra Klug, Finanzexpertin der Verbraucherzentrale, hat auch im Podcast-Gespräch mit Finanzjournalistin Anissa Brinkhoff konkrete Tipps gegeben, wie Selbstständige Schritt für Schritt Ordnung in ihre Finanzen bringen. Die wichtigsten Punkte sind hier in einer Checkliste zusammengefasst.

1. Überblick verschaffen: Einnahmen und Ausgaben analysieren

Die wichtigste Grundlage für gute Finanzentscheidungen ist ein klarer Überblick. Welche Einnahmen gibt es regelmäßig? Wie hoch sind die Ausgaben monatlich und jährlich? Wie viel Geld decken Fix- und variable Kosten pro Monat? Auf Basis dieser Übersicht kann dann ein Budget-Plan entstehen.

Dieser Artikel ist Teil unserer Serie Finanzen für Selbstständige – entwickelt zusammen mit der freien Finanz-Journalistin Anissa Brinkhoff. Lust auf mehr Input? In ihrem Podcast Finance & Feelings startet heute eine dreiteilige Reihe, mit wöchentlich einer neuen Folge zum Thema.

Zum Podcast

Tipp: Private und geschäftliche Finanzen trennen – am besten mit zwei separaten Konten.

Das hilft dabei:

  • Haushaltsbuch führen oder digitale Tools nutzen, um die Ausgaben für ein paar Monate zu tracken.
  • Fixkosten (Miete, Strom, Versicherungen) & variable Kosten (Lebensmittel, Hobbys, Alltag) auflisten, um Sparpotenzial zu finden und einen Überblick zu bekommen.
  • Einnahmen rückblickend analysieren und einen realistischen Mittelwert festlegen, wie viel Geld pro Jahr und auf 12 Monate verteilt eingenommen wird.
  • Budgetplan aufstellen: Wie viel Geld steht monatlich für alle Ausgaben, Rücklagen und Altersvorsorge zur Verfügung?

Tipp

Private und geschäftliche Finanzen trennen – am besten mit zwei separaten Konten. Vom geschäftlichen Konto wird auf das private Konto jeden Monat ein festes Gehalt überwiesen. Auch dann, wenn es mehr Einnahmen gibt. Besonders hilfreich: Viele Geschäftskonten legen automatisch Steuerrücklagen an.

2. Rücklagen bilden – für Steuer, Ausfälle und Krankheiten

Selbstständige müssen nicht nur ihre Steuerrücklagen selbst bilden, sondern auch für Monate mit weniger Aufträgen oder für Krankheitsphasen vorsorgen. Ein gutes finanzielles Polster hilft, ein Gefühl von finanzieller Sicherheit aufzubauen und im Urlaub ohne spontane Aufträge entspannen zu können.

Am besten automatisierte Daueraufträge anlegen, so wird das Geld direkt zum Anfang des Monats gespart.

Diese Rücklagen sind wichtig:

  • Steuerrücklage: 30–40 % der Einnahmen direkt zur Seite legen, hier helfen Geschäftskonten, die Einnahmen und Steuerrücklagen direkt kategorisieren.
  • Privater Notgroschen: 3–6 Monatsausgaben auf einem Tagesgeldkonto
  • Betriebsrücklage: Für schwankende Monate oder Investitionen

Tipp

Notgroschen und Betriebsrücklagen können auch mit kleinen Beträgen, Monat für Monat, aufgebaut werden. Dafür am besten automatisierte Daueraufträge anlegen, so wird das Geld direkt zum Anfang des Monats gespart.

3. Versicherungen prüfen

Finanzplanung heißt nicht nur, in die Zukunft zu investieren, sondern auch, sich abzusichern. Folgende Versicherungen sind ein Teil davon:

Wichtige Versicherungen:

  • Krankenversicherung (gesetzlich oder privat)
  • Berufsunfähigkeitsversicherung
  • Private Haftpflicht
  • Betriebshaftpflicht (je nach Branche)

Tipp

Unabhängige Beratung oder die Überprüfung bestehender Verträge gibt es z. B. bei der Verbraucherzentrale. Vorsicht bei Vergleichsportalen, Versicherungsbüros oder -Makler*innen: diese empfehlen nicht immer unabhängig, sondern nach Provisionshöhe oder Anzeigen-Budget der Anbieter.

4. Finanzielle Ziele definieren

Finanzplanung ist Lebensplanung. Wenn das Traum-Sabbatical auch wirklich stattfinden soll, braucht es dafür einen finanziellen Plan. Wie viel Geld brauche ich – und wie lange müsste ich sparen, um es beiseitezulegen? Egal ob Reise, Hochzeit, Geschenke, oder Elternzeit: erst wenn diese Träume konkrete Summen bekommen, kann ein Plan aufgestellt werden, wie diese erreicht werden.

Für kurzfristige Ziele reicht das Tagesgeldkonto, ab zehn Jahre Planungshorizont lohnen sich Investments an der Börse wesentlich mehr.

Welche finanziellen Ziele habe ich? Diese Fragen können helfen:

  • Wie will ich arbeiten – wie viele Stunden, mit welchen Kund*innen?
  • Wie viel Urlaub brauche ich pro Jahr, um mich wohlzufühlen?
  • Welche großen finanziellen Ausgaben plane ich? (Hochzeit, Auto, etc.)
  • Wie möchte ich wohnen – zur Miete oder im Eigentum?
  • Was bedeutet „finanzielle Unabhängigkeit“ für mich?
  • Möchte ich mal Kinder – und was bedeutet das finanziell für mich?
  • Bin ich finanziell verantwortlich für andere Menschen und was bedeutet das genau? (Eltern, Partner*innen, Kinder)?

Tipp

Finanzielle Ziele können in kurzfristige, mittelfristige und langfristige Ziele unterschieden werden – und danach unterscheiden sich auch die Finanzprodukte, in denen für dieses Ziel gespart wird. Für kurzfristige Ziele reicht das Tagesgeldkonto, ab zehn Jahre Planungshorizont lohnen sich Investments an der Börse wesentlich mehr.

5. Altersvorsorge planen

Wie möchte ich im Alter leben – und was kostet mich das? Zeit ist der wichtigste Faktor bei der Planung der eigenen Rente – je früher man anfängt, desto kleiner können die monatlichen Rücklagen dafür sein. Aber es ist auch klar: Wer nicht vorsorgt, wird sehr lange arbeiten müssen. Dabei kann die Rente aus vielen verschiedenen Bausteinen bestehenden, die für jede*n individuell sind. Als Selbstständige gibt es eine Vielzahl an Möglichkeiten, die auch flexibel auf unterschiedliche Auftragslagen angepasst werden können. Wichtig: Die Produkte haben unterschiedliche Rendite- und Risiko-Erwartungen. Gerade deshalb ist es sinnvoll, mehrere Bausteine zu kombinieren, um Sicherheit und Renditechancen zu optimieren.

Wer schon in Rentenprodukte einzahlt, kann mit „Rentenlücken“-Rechnern ausrechnen, ob diese Investments ausreichen.

Wichtig: Auch unter diesen Produkten können sich Verträge befinden, die sich aufgrund hoher laufender Kosten, schlechter Renditechancen oder unflexibler Vertragsbedingungen schlichtweg nicht rechnen. Es ist daher sinnvoll, bestehende Verträge regelmäßig zu überprüfen und bei Bedarf unabhängigen Rat einzuholen.

Bausteine zur Altersvorsorge:

  • Gesetzliche Rentenversicherung (freiwillig), ggf. über die KSK
  • Private Rentenversicherung
  • Rürup-Rente (Basisrente für Selbstständige): Staatlich geförderte, kapitalgedeckte Rente mit Steuervorteilen
  • Riester Rente: Staatlich geförderte private Altersvorsorge (nur unter bestimmten Voraussetzungen verfügbar)Investments an der Börse: ETF-Sparpläne, Fonds, Aktien
  • Immobilien: Eigenheim oder vermietete Immobilien
  • Betriebliche Altersvorsorge: auch für einige Selbstständige über Pensionskasse/-fonds verfügbar

Tipp

Wer schon in Rentenprodukte einzahlt, kann mit „Rentenlücken“-Rechnern ausrechnen, ob diese Investments ausreichen, oder ob die private Altersvorsorge aufgestockt werden muss, um in der Rente den Lebensstandard halten zu können, den man sich wünscht.

6. Finanzwissen aufbauen – Schritt für Schritt

Die Schritte eins bis fünf sind eine Anleitung dafür, wie Finanzplanung als Selbstständige*r funktioniert. Wie die Umsetzung dann individuell passt, muss jede*r für sich herausfinden. Und dabei ist es ganz normal, zu Beginn noch nicht abzusehen, wie die finale Lösung aussieht und vielleicht auch noch gar nicht zu wissen, wie man dahinkommen wird. Sich mit den eigenen Finanzen zu beschäftigen, ist wie eine neue Sprache zu lernen und dabei tiefer ins Thema einzutauchen. Und dabei ist es egal, ob Bücher gelesen, Podcasts gehört oder Videos geschaut werden.

Wer seinen Wissensstand Gegenchecken möchte, kann folgende Fragen nutzen:

  • Welche finanziellen Produkte passen zu mir – für welche finanziellen Ziele?
  • Aus welchen Bausteinen kann meine Altersvorsorge bestehen?
  • Welches finanzielles Risikoprofil habe ich?
  • Was ist der Unterschied zwischen Sparen und Investieren?
  • Möchte ich an der Börse investieren oder passen Immobilien-Investments besser zu mir?
  • Mache ich meine Finanzplanung selbst oder suche ich mir Beratung?

Tipp

Man muss nicht alles selbst machen – auch für Finanzfragen gibt es gute Beratung. Was man sich jedoch bei jedem Angebot, egal ob in einer Filiale oder bei einem Online-Kurs fragen sollte: Wie verdient die andere Person Geld mit mir? Wenn nicht von Anfang an bekannt ist, wie viel die Beratung kosten wird, ist das ein sicheres Zeichen für ein unseriöses Angebot.

7. Healthy Financial Habits aufbauen

Zu Beginn wirkt Finanzplanung wie ein riesiger Berg an Entscheidungen. Aber mit jeder Stunde, die man sich diesem Thema widmet, kann man den großen Berg in kleine, machbare Entscheidungen herunterbrechen.

Da sich das eigene Leben immer mal wieder ändert, ist es ganz normal, dass man regelmäßig nachjustieren und neue Lösungen finden muss.

Financial Habits, um dranzubleiben:

  • Monatliche Finanztermine einplanen: Einnahmen prüfen, Rücklagen checken, Rechnungen klären
  • Quartalsweise Bilanz ziehen: Was lief gut? Was kannst du verbessern?
  • Offener über Geld sprechen: Mit Kolleg*innen und Freund*innen regelmäßig und offen über alle finanziellen Fragen sprechen und sich gegenseitig supporten.
  • Mit dem Money Mindset beschäftigen: Wie wir mit Geld umgehen, haben wir häufig in der Kindheit gelernt, oft unbewusst. Gerade wenn einem das Thema Angst macht, lohnt es sich, der Sozialisierung bewusst zu sein. In dieser Podcastfolge und in diesem Artikel geht es ausführlich um das Thema Money Mindset.

Tipp

Finanzbildung ist kein Sprint. Wer gerade erst anfängt, wird meistens Monate brauchen, bis ein grobes Gerüst für die eigene Finanzplanung entstanden ist. Und da sich das eigene Leben immer mal wieder ändert, ist es ganz normal, dass man regelmäßig nachjustieren und neue Lösungen finden muss.

Zur Person

Sandra Klug leitet bei der Abteilungsleiterin Geldanlage, Altersvorsorge und Versicherungen. Die Juristin ist Mitglied mehrerer Beiräte, u.a. beim Versicherungsombudsmann.

Finanzplanung für Selbstständige in 7 Schritten -

Sandra Klug

Verbraucherzentrale Hamburg

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