Wie die optimale Lösung zwischen Basiselterngeld, Elterngeld Plus und pausierten Monaten ohne Elterngeld aber mit Einnahmen aus Selbstständigkeit aussieht, muss jede Familie im Gesamtkontext entscheiden. Nicht jede*r Selbstständige*r kann oder will das eigene Unternehmen über mehrere Monate pausieren, deshalb ist die Flexibilität toll, das Elterngeld zwischendurch auszusetzen.
Gerade weil diese Planung des Elterngelds so komplex ist, lohnt es sich hier, eine kostenlose Beratung bei der zuständigen Elterngeldstelle in Anspruch zu nehmen oder auch kostenpflichtige Kurse bei Expert*innen zu buchen. Bei allen Beratungen lohnt es sich vorher anzufragen, ob diese mit den Besonderheiten für Selbstständige vertraut sind.
Was heißt eigentlich „fair“?
Jedes Paar entscheidet für sich, ob eine faire Aufteilung von Care- und Erwerbsarbeit 50:50, 60:40 oder auch 80:20 bedeutet. Denn jede Familie funktioniert anders. Damit nur langfristig keine finanzielle Abhängigkeit oder Ungleichheit entsteht, kann jedes Paar selbst für einen Ausgleich sorgen.
Das fängt für Marielle Schäfer schon beim Kontomodell an: „Wir empfehlen ein 3-Konten-Modell, wobei alle Einnahmen auf das Gemeinschaftskonto gehen und am Ende des Monats der Rest 50/50 oder gar 60/40 oder 70/30 zu Gunsten der Care-Arbeitenden Person ausgezahlt werden.“
Damit vor allem auch im Alter beide eine eigene Rente haben, kann auch für die Care-Arbeitende Person zusätzlich weiter freiwillig in die gesetzliche Rentenkasse eingezahlt oder eine private Altersvorsorge aufgesetzt werden, die eben von der erwerbstätigen Person bezahlt wird.
Wer ganz sicher gehen will oder nicht einverstanden ist mit den Beziehungsregeln, die beispielsweise durch eine Hochzeit automatisch gelten, kann in einem Ehe- oder Partnerschaftsvertrag eine Ausgleichszahlung für geleistete Care-Arbeit festlegen. Wie hoch so etwas sein kann, muss individuell mit einer Familienanwältin geklärt werden, am besten jemand, die die Problematik kennt.
Und wenn schon Kinder da sind?
Montagmorgen, Kind krank, die Kalender von beiden Eltern sind voll mit Calls und Deadlines. Springt jetzt die selbstständige Person für die Betreuung ein, weil ihr Job flexibler ist? „Das muss nicht so sein, denn der wichtigste Hebel für beidseitigen beruflichen Erfolg ist und bleibt eine gleichberechtigte Elternschaft,“ so Marielle. Wenn beide Elternteile, egal ob selbstständig oder angestellt, den eigenen Part der Care-Arbeit übernehmen, entsteht für Mütter wie Väter viel mehr Raum und Planbarkeit.