Ein Experiment, das sich lohnt
Editorial von Egbert Rühl, Geschäftsführer der Hamburg Kreativ Gesellschaft
Editorial von Egbert Rühl, Geschäftsführer der Hamburg Kreativ Gesellschaft

15 Jahre Hamburg Kreativ Gesellschaft – die Feierstunde haben wir im vergangenen Jahr eher klein gehalten. Die Energie ist stattdessen in neue Projekte und Programme geflossen: etwa in Beratungsangebote zu KI in der Kreativwirtschaft und den branchenweiten Austausch zum Thema (S. 12). Oder in die Weiterentwicklung des FABRIC, unseres Hubs für nachhaltige Mode (S. 22).
Dass sich Themen schnell entwickeln und wir entsprechend schnell reagieren müssen, ist eine Konstante seit der Gründung der Hamburg Kreativ Gesellschaft. Wie heute Musik produziert und gehört wird, wie journalistische Inhalte Leser*innen erreichen oder Werbekampagnen gesteuert werden – das hat oft wenig mit der Realität unserer Anfangsjahre zu tun. Diesen organisatorischen und technischen Wandel zu begleiten – die Digitalisierung von Geschäftsmodellen, zuletzt noch beschleunigt durch KI – ist bis heute eine unserer zentralen Aufgaben, als Beraterin für Organisationen und für den Einzelnen.
Hamburg hat das Potenzial der Kreativwirtschaft früh erkannt. Die Gründung der Hamburg Kreativ Gesellschaft als städtische Fördereinrichtung im Jahr 2010 war trotzdem ein Experiment. Manche Ökonomen sahen die Kreativwirtschaft noch als Orchideen-Thema – und Vorbilder für entsprechende Institutionen gab es kaum.
Aus heutiger Sicht würde ich sagen: Das Experiment hat sich gelohnt. Hamburgs Kreativwirtschaft wächst entgegen der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, sie ist ein selbstverständlicher Bestandteil unserer städtischen Ökonomie. Als Innovationstreiber wirkt sie darüber hinaus auch in anderen Branchen.
Es hat sich auch gelohnt, weil ein stabiles kreatives Ökosystem uns resilienter gegen demokratiefeindliche Tendenzen machen kann. Mit ihren Produkten – sei es Theater oder Streaming, Fotografie oder Werbefilm – kann die Branche auf die Haltung von Menschen einwirken und damit auf die Verfasstheit unserer Gesellschaft.
Nicht zuletzt lohnt sich Kreativwirtschaftsförderung in Hamburg, weil sie Antworten auf ganz grundlegende Fragen der Stadtentwicklung geben kann. Als wir 2010 den ersten Mietvertrag für eine große, gemeinschaftlich genutzte Immobilie unterzeichneten, löste das in unserem Aufsichtsrat noch milde Irritationen aus. Heute sind kreative Um- und Zwischennutzungen ein deutschlandweit anerkanntes Erfolgsmodell.
Die Kreativ Gesellschaft ist heute als etablierte Partnerin in vielen Entscheidungsprozessen eingebunden. Unsere Erfahrungen teilen wir in Foren wie dem German Creative Economy Summit. Viel von dem, was als Experiment begonnen hat, ist zum Standard geworden. Also: Zeit für neue Experimente.
Bleiben Sie uns gewogen. ●