Ihr beschreibt das als einen fortlaufenden Prozess, der sich nicht einfach per Checkliste abhaken lässt. Was meint ihr damit?
Mawuto: Zum einen ist so eine Checkliste problematisch. Nur weil jemand im Gestaltungsprozess mit mir gesprochen hat, kann die Person nicht automatisch das Antirassismus-Kästchen abhaken. Zum anderen gibt es keinen gradlinigen Lösungsweg, denn sonst wären viele Probleme bereits behoben. Wir haben bloß Ansätze, mit denen wir versuchen, etwas besser zu machen.
Anna: Wichtig finde ich auch, dass es eine gewisse Fehlerfreundlichkeit und offene Gesprächskultur gibt. Es ist okay, dass du nicht alles richtig machst – schon gar nicht sofort. Ausschlüsse zu verlernen, ist ein langfristiger Prozess.
Habt ihr trotzdem konkrete Vorschläge, wie Designer*innen ihre Arbeitsprozesse intersektionaler machen können?
Mawuto: Ein erster Grundsatz wäre, mit Leuten zu gestalten, anstatt über sie hinweg. Ein zweiter, Fragen zu stellen, und ein dritter, im Team zu arbeiten. Gemeinsam kommen wir weiter als allein. Außerdem lohnt es, sich mit Theorie außerhalb des klassischen Designkanons zu befassen.Es lohnt sich, mehr über die Praktiken marginalisierter Personen zu lernen – sowohl im Designbereich als auch außerhalb davon.
Anna: Die Auseinandersetzung ist für viele Designer*innen erst mal einschüchternd. Doch auch wenn dem Thema eine gewisse Schwere anhaftet, darf es trotzdem Spaß machen. Es gibt keinen einheitlichen Look für diskriminierungssensibles Design, sondern ganz viele ästhetische Möglichkeiten. Genau deshalb haben wir gemeinsam mit Antonia Fedder gerade eine neue Austauschreihe im Design Zentrum gestartet. Bei "Design mit Perspektive" kommen wir regelmäßig zusammen, um uns gegenseitig in diesem Lern- und Verlern-Prozess zu begleiten. Wir freuen uns über alle, die dabei sein wollen!
Was können Kreative aus anderen Branchen von diesen Ansätzen lernen?
Mawuto: Ehrlicherweise würde ich da gar nicht groß unterscheiden. Es geht, branchenunabhängig, um einen offeneren Blick. Ein Bewusstsein für das Thema zu entwickeln, ist die halbe Miete. Menschen, die kreativ arbeiten, sollten sich unbedingt mit anderen Disziplinen und sozialen Bewegungen auseinandersetzen!
Und wie könnten städtische Einrichtungen dazu beitragen, dass unsere Kreativwirtschaft inklusiver wird?
Anna: Gerade Organisationen, die den Anspruch haben, die Hamburger Stadtgesellschaft zu repräsentieren, sollten in ihren Teams weniger homogen und weiß sein. Da gibt es noch viel Luft nach oben.
Mawuto: Gebärden-Dolmetscher*innen bei Vorträgen engagieren oder marginalisierte Personen auch bei mehr Talks sprechen lassen, die sich nicht explizit um Diversität drehen. Soli-Tickets für Menschen mit weniger Geld anbieten. Es geht einfach darum, Plattformen und Mitgestaltungsmöglichkeiten für verschiedene Gruppen zu eröffnen. Welche Ideen habt ihr für das nächste Jahr, liebe Kreativ Gesellschaft?