Nachhaltig zum Erfolg
Das Label Jan ’n June startete 2014 als Vorreiter nachhaltiger Mode. Die Hamburg Kreativ Gesellschaft begleitete es vom Crowdfunding bis zum Pop-up.
Das Label Jan ’n June startete 2014 als Vorreiter nachhaltiger Mode. Die Hamburg Kreativ Gesellschaft begleitete es vom Crowdfunding bis zum Pop-up.

Manchmal entsteht eine Idee im Kopf, aber es braucht diese eine Besonderheit, die sie vom Wettbewerb abhebt. Etwas, das es so noch nicht gibt.
Juliana „Jula“ Holtzheimer und Anna Bronowski kam diese Idee im Sommer 2013, kurz vor Abschluss ihres Mode-Designmanagement-Studiums. Sie saßen vor einer Bar im Hamburger Schanzenviertel und sprachen über die neue H&M-Tochter & Other Stories. „Da kündigen sie schon ein neues Konzept mit höherem Preispunkt und neuen Lieferketten an, aber nichts daran ist nachhaltig oder fair“, sagte eine der beiden Frauen. „Es kann doch nicht so schwer sein, schöne, bezahlbare Mode zu machen, die trotzdem nachhaltig und fair produziert ist!“
Holtzheimer und Bronowski stellten einen Businessplan auf, entwickelten Ideen für Designs, Vertrieb, Logistik, bekamen ein Darlehen von ihren Eltern und sammelten 11.418 Euro über Nordstarter ein. Eine Kampagne, die sie mit der damaligen Crowdfunding-Förderung der Kreativ Gesellschaft umsetzen konnten. Im August 2014 gründeten sie ihr eigenes Modelabel Jan ’n June, benannt nach ihren Geburtsmonaten. Ihr Arbeitsplatz in den ersten vier Jahren: das Elternhaus von Anna Bronowski in Wellingsbüttel, einem Stadtteil im Nordosten Hamburgs. „Wir mussten erst einmal Geld verdienen“, sagt Holtzheimer. Einen klassischen Investor wollten die Gründerinnen nicht, die Orientierungsberatung der Hamburg Kreativ Gesellschaft kam jedoch gerade richtig. „Der Experte der Kreativ Gesellschaft hat unsere Finanzfragen beantwortet und uns bei der Entwicklung der nächsten Schritte geholfen“, sagt Holtzheimer. „Das hat uns nach vorne gebracht.“


„Für uns war es eine perfekte Starthilfe, so zentral einen Showroom zu haben. Es hat uns geholfen, professioneller zu wirken und uns zu festigen“
Heute steht Juliana Holtzheimer im Showroom von Jan ’n June am Sandtorkai und sagt: „Wir hatten nie die Absicht, ein Label zu gründen. Geschweige denn selbstständig zu sein. Das hat sich einfach so ergeben.“ Es ist ein Vormittag Anfang Januar, Holtzheimer steht vor Kleiderständern, an denen Tops, Blusen, Pullover und Röcke hängen – die neue Herbst-Winter-Kollektion 2025/2026, soeben eingetroffen.
„Erstmals sind auch Stücke aus Alpakawolle dabei“, sagt Holtzheimer. Sie zieht einen auberginefarbenen Strickpullover von der Stange, fair und transparent produziert. Die gesamte Lieferkette des Pullovers lässt sich über einen QR-Code auf dem Etikett nachverfolgen, lückenlos vom Alpaka bis zur Strickerei. „Wir haben eine Eco-ID für jedes Kleidungsstück geschaffen“, sagt Holtzheimer. „Eine Art Personalausweis, den man mit dem Smartphone abrufen kann. Für uns gehört Transparenz zu nachhaltiger Mode dazu und war anfangs ohne Zertifizierung die einzige Möglichkeit, aufzuzeigen, wie ernst wir es meinen.“
Der schwarz-weiße QR-Code erfüllt nicht nur Holtzheimers und Bronowskis Bedürfnis nach Transparenz – er sorgte auch für eine kleine Revolution in der Modewelt. Denn 2014 galt für fast alle Jeans, Pullover, T-Shirts oder Unterwäsche: Herkunft unbekannt. „Der Bezug zu aktuellen Modetrends, die Nachhaltigkeit, der Preis – in dieser Kombination gab es das damals noch nicht“, sagt Holtzheimer. „Dadurch konnten wir Kund*innen gewinnen, die gern nachhaltiger und fairer konsumieren wollten, aber nichts fanden, das ihrem Stil entsprach.
Heute sitzt das Label mit Büro und Showroom mitten in der Speicherstadt – im Kreativspeicher M28, direkt am Fleet. Ein Fahrstuhl führt hinauf in den sechsten Stock, auf eine geräumige Loftetage. Während Holtzheimer im Showroom die neuesten Pullover und Blusen präsentiert, wird im Nachbarbüro an interaktiven Musikerlebnissen in VR getüftelt. Einst lagerten hier Kaffee, Kakao, Tabak und Kautschuk. Doch seit 2018 vermietet die Hamburg Kreativ Gesellschaft den umgebauten Speicher als Atelier-, Büro-, Werkstatt- und Ausstellungsfläche kostengünstig an Hamburger Kreativunternehmen. Eine Jury entscheidet über die neuen Mietenden.

„Gerade Kleidung ist ein Riesenhebel, wenn es darum geht, unsere Umwelt zu schützen.“
Gobal Organic Textile Standards (GOTS). „So können wir die Fabriken zwei Mal im Jahr besuchen und bleiben eng in Kontakt.“ Die meiste Kundschaft kommt aus Als Holtzheimer und Bronowski von der Möglichkeit hörten, bewarben sie sich sofort – und zogen im Sommer 2018 ein. „Für uns war es eine perfekte Starthilfe, so zentral einen Showroom zu haben. Es hat uns geholfen, vor B2B-Kund*innen professioneller zu wirken und uns zu festigen“, sagt Holtzheimer. Inzwischen arbeiten sie hier mit einem 20-köpfigen Team. „Als Start-up hast du normalerweise keine Adresse am Sandtorkai – und nach Wellingsbüttel sind die Einkäufer*innen aufgrund der Entfernung nicht so gern gekommen.“
Das Label arbeitet heute mit sechs Betrieben aus Portugal, Bulgarien, der Türkei und – der ersten Produktionsstätte - Polen, viele davon zertifiziert nachDeutschland, Österreich und der Schweiz, Bestellungen aus Frankreich und Niederlande nehmen zu. „Wir verkaufen nicht nur online, sondern auch in circa 150 Läden, die uns führen“, sagt Holtzheimer. „Die haben einen bestimmten Orderzeitraum.“ Und der startet jetzt. Für das Team von Jan ’n June heißt das: Präsentationen vorbereiten, Einkäufe koordinieren, Messen und Showrooms mit der neuen Kollektion besuchen. Es geht nach Berlin, danach nach Düsseldorf.
In Hamburg konnten Kund*innen die Fair Fashion des Labels an einem besonderen Ort bestaunen: im FABRIC – Future Fashion Lab, dem neuen Modehub der Hamburg Kreativ Gesellschaft. Anlass war der 10. Geburtstag von Jan ’n June, zu dem Holtzheimer und Bronowski etwas Besonderes machen wollten: einen Pop-up-Store. „Das FABRIC begeistert mich schon von Anfang an“, sagt Holtzheimer, die sich mit ihrem Label dem Netzwerk angeschlossen hat, das sich auf nachhaltige Modeschöpfung fokussiert.
In den stylishen Räumlichkeiten in den Großen Bleichen konnten Kund*innen im Sommer drei Wochen lang durch die Kollektion von Jan ’n June stöbern und sie unverbindlich anprobieren. „Die Resonanz war gut“, sagt Holtzheimer, „unsere Kund*innen fanden es großartig.“
Die Vision von dem Abend im Schanzenviertel haben Holtzheimer und Bronowski verwirklicht – dass Mode und Nachhaltigkeit Hand in Hand gehen. Aber besser geht es immer, findet Gründerin Holtzheimer. Deshalb sollen bei Jan ’n June künftig noch mehr alternative Materialien eine Rolle spielen: „Gerade Kleidung ist ein Riesenhebel, wenn es darum geht, unsere Umwelt zu schützen.“ Mit Recycling-Plastik, -Baumwolle und -Mohair. Und mit dem kleinen QR-Code, der alles verändert.