Viele Unternehmen erleben gerade Dauerkrisen statt Planungssicherheit. Gerät der Blick in die Zukunft da nicht eher in den Hintergrund?
Im ersten Moment ja. Der Fokus liegt dann oft auf dem Kerngeschäft – und das ist auch absolut nachvollziehbar. Gleichzeitig ist es paradox: Gerade in Krisenzeiten braucht es Innovation und wünschenswerte Zukunftsbilder. Die Arbeit mit Foresight kann mittelfristig zu mehr Planungssicherheit führen, indem man sich frühzeitig auf mögliche Zukünfte vorbereitet. Insofern sind unsichere Zeiten eigentlich ein gutes Momentum für den Blick nach vorne.
In vielen Organisationen bleiben Transformationsprozesse stecken. Woran liegt das – und was hilft, um wieder in Bewegung zu kommen?
Häufig verharren Organisationen in internen Denkmustern. Da hilft ein frischer Blick von außen, ein maximaler Perspektivwechsel – in unserem Fall durch Kreativ-Expert*innen. Außerdem geht es darum, zu verstehen, dass Transformation mehr ist als ein Projekt. Oft werden zwar strukturelle Veränderungen angestoßen, aber die Kultur wächst nicht mit. Mitarbeitende werden nicht ausreichend eingebunden und Faktoren wie Mindset, Werte, informelle Regeln oder Machtverhältnisse werden unterschätzt.
Was häufig fehlt, ist ein gemeinsames Zielbild, das auch emotional trägt – mit einer starken Vision, gutem Storytelling und einem klaren Narrativ. Hier können Kreative wieder eine wichtige Rolle spielen. Transformation sollte nicht linear gedacht werden, sondern als fortlaufender Lern- und Entscheidungsprozess. Dafür braucht es Raum, Zeit und die Ermutigung, Dinge auszuprobieren, zu testen und daraus zu lernen. Denn Lernfähigkeit ist letztlich die Grundlage dafür, dass Organisationen reaktions- und veränderungsfähig bleiben.
Wenn du nach vorn schaust: Welche Fragen sollten sich Unternehmen heute stellen, um auch in fünf oder zehn Jahren noch relevant zu sein?
Zentral ist die Frage: Wie verändert sich die Umwelt der Organisation? Also: Welche gesellschaftlichen, technologischen, ökonomischen, ökologischen und politischen Faktoren wirken auf uns ein – und was bedeuten sie für unser Geschäftsmodell und unsere Strategie? Genauso wichtig ist aber die Frage nach der eigenen Lernfähigkeit: Wie gut sind wir wirklich darin, uns anzupassen? Und was müssen wir loslassen, um relevant zu bleiben?
Veränderung bedeutet eben auch Abschied. Sich der Zukunft zu stellen, erfordert Mut. Aber es ist letztlich die einzige Möglichkeit, handlungsfähig und selbstwirksam zu bleiben. Denn sonst passiert Zukunft einfach und man reagiert nur. Foresight hilft dabei, ins Gestalten zu kommen – und genau darin liegt die große Chance.