Der Cross Innovation Hub wird mit Mitteln aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) co-finanziert.

28.11.2019

Zusammenarbeit

Was Empathie und Star Trek miteinander zu tun haben

Foto: Wil Stewart via UnsplashFoto: Wil Stewart via Unsplash

Die Fähigkeit und Bereitschaft, sich in die Bedürfnisse und Emotionen anderer Menschen hineinzuversetzten, avanciert in der heutigen Arbeitswelt zu einer zunehmend gefragten Kompetenz. Was sind die Gründe für die neue Präsenz von Empathie in wirtschaftlichen Diskursen? 

„Das Zeitalter der Empathie“ im Management läutete die amerikanische Professorin für Management Rita Gunther McGrath schon vor einigen Jahren ein (Harvard Business Review, 7/2014). Und tatsächlich liest und hört man in letzter Zeit immer häufiger von Empathie als zunehmend wichtiger Kompetenz im Arbeitsleben. Warum wird Empathie – die Fähigkeit und Bereitschaft, sich in andere Menschen einzufühlen – solche Bedeutung zugeschrieben? Stand sie doch lange in dem Ruf, eine für  Partnerschaft, Familie und Freundschaft hilfreiche  Kompetenz zu sein – und am Arbeitsplatz eher hinderlich.

Es stellt sich die Frage: Welche Faktoren stießen diesen Wandel an? Drei wesentliche Aspekte machen wohl die Empathie heute zu einer für die Wirtschaft so interessanten Fähigkeit:

Führung und Management

Unternehmen und ihr Management stehen in Zeiten von Digitalisierung, Globalisierung und Fachkräftemangel vor großen Herausforderungen. Mit dem Aufbrechen von festgefügten Arbeitsstrukturen, der Forderung nach neuen Führungsstilen in flacheren Hierarchien sowie mit kreativen Arbeitsmethoden versuchen flexible Manager, den veränderten Anforderungen zu begegnen. Ohne Einfühlung in die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist es unmöglich geworden, diese komplexen Prozesse zu Gunsten des Unternehmens zu lenken.

Zum spürbaren Mentalitätswandel in der Wirtschaft  unter der Prämisse von  „Miteinander statt Gegeneinander“ gehört laut US-Organisationspsychologe Adam Grant (Give and Take, 2014) auch, dass Vorgesetzte und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht mehr in den relativ starren Rollenmustern von Geber und Nehmer verharren, sondern empathisch aufeinander zugehen, um im Austausch voneinander profitieren zu können.

Auf einer grundsätzlicheren Ebene stellt McGrath die Frage, ob es überhaupt noch möglich ist, stabile Ist-Situationen von Unternehmen anzunehmen, von denen aus bei Bedarf Veränderungen angestrebt werden. Nach Meinung von McGrath ist es im Gegensatz zu dieser lange vorherrschenden Sicht viel realistischer, von Unternehmen in stetiger Bewegung auszugehen, deren Veränderungsdrang unterschiedlich stark ausgeprägt ist zu verschiedenen Zeiten. Bei solch prozessorientiertem Denken erhält Empathie geradezu die Relevanz einer grundlegenden Basis-Kompetenz, mit der im steten Perspektivwechsel komplexe unternehmerische Wandlungsprozesse überhaupt erst verständlich und in Ansätzen steuerbar werden.

Mensch/Maschine

Was ist das spezifisch Menschliche am Menschen? Wie wird sich in Zukunft das Verhältnis von Mensch und Maschine entwickeln? In der Sci-Fi-Fernsehserie Star Trek ging es in den späten 1960er Jahren noch weitgehend fiktiv darum, was den Menschen von der Maschine unterscheidet, wie ihn seine Emotionen zum Menschen machen und wie er durch Einfühlungsvermögen zum besseren Menschen wird. Heute diskutieren wir angesichts der Fortschritte in der Entwicklung von Künstlicher Intelligenz ganz konkret darüber, welche Fähigkeiten originär menschlich sind und von Maschinen nicht übernommen werden können oder nicht übernommen werden sollten.

In einer zunehmend von Hightech bestimmten Arbeitswelt von Morgen braucht es, so Marion Weissenberger-Eibl, Leiterin des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung „die Kombination aus Hightech und Menschlichkeit. Daher werden psychosoziale Kompetenzen in der Arbeitswelt noch gefragter – das sind zum Beispiel Empathie und interpersonelle Intelligenz“ (t3n digital pioneers 54, 1/2019). Das könnte bedeuten, dass Maschinen zunehmend in der Lage sein werden, uns fachliche Aufgaben abzunehmen, und, so Weissenberger-Eibl weiter, Menschen zukünftig vorwiegend fachübergreifend tätig sein werden. Das Bespielen von Schnittstellen wiederum setzt Empathie voraus.

Perspektivwechsel bringt Neues in die Welt

Ideen für Neues entstehen in gesättigten Märkten immer häufiger im Dazwischen, in der Lücke zwischen verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen, zwischen Branchen oder im branchenübergreifenden Miteinander von Unternehmen.

“I can’t come up with any new ideas if all I do is exist in my own life”, sagt Emi Kolawole, Editor-in-Residence an der Stanford University d.school. „Empathy is the capacity to step into other people’s shoes, to understand their lives, and start to solve problems from their perspectives. Human-centered design is premised on empathy, on the idea that the people you’re designing for are your roadmap to innovative solutions“ (designkit.org).

Diese Sicht auf die Kraft und Bedeutung der Empathie im Design vertritt auch Armin Warnecke, Design Consultant beim Studio design for human nature und einer der Kreativen in unserem Cross Innovation Lab 2019, in dem wir branchenübergreifende Innovationsprozesse fördern. zum Interview.

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