25.3.2021

Crowdfunding

Sascha Eigner von Jupiter Jones erzählt warum der Draht zu Fans das Wichtigste und Crowdfunding das Modell der Zukunft ist

Foto Credits: Tessa Meyer & Niclas MoosFoto Credits: Tessa Meyer & Niclas Moos

„Wenn ich auch 1000 Lieder vom Vermissen schreib', heißt das noch nicht, dass ich versteh', warum dieses Gefühl für immer bleibt“ sangen Jupiter Jones 2011. Drei Jahre später verließ Nicholas Müller, damals Frontsänger, die Band. Fünf Jahre lang herrschte Funkstille. Im Januar 2021, zehn Jahre nachdem „Still“ das meistgespielte deutschsprachige Lied im Radio wurde, waren Nicholas und sein ehemaliger Bandkollege Sascha Eigner es leid, 1000 Lieder vom Vermissen zu schreiben und kündigten ihr Comeback an. Ihr neues Album finanzieren sie über Crowdfunding. Wir fragten Sascha: Wie macht ihr das? Im Interview verrät er uns seine besten Tipps, die eine Kampagne zum Laufen bringen. Einer davon: Unsere Hamburger Crowdfunding-Kampagnenförderung. 

Hamburg Kreativ Gesellschaft: Sascha, ihr arbeitet gerade an einem neuen Album, eure Single "Atmen" ist schon rausgekommen. Finanzieren tut ihr das ganze über Crowdfunding. Warum habt ihr euch als große Band für diesen Weg entschieden?

Sascha Eigner: In unserem Fall muss man wissen: Bis 2008 haben wir alles über mein Label Mathildas und Titus Tonträger veröffentlicht. Von daher ist es für uns nichts Neues wie man Platten herausbringt – das Know-how gibt es schon. Als unser Comeback beschlossen war, haben wir aber natürlich erstmal mit allen Plattenfirmen gesprochen, die man dann so fragt. In den Gesprächen haben wir aber schnell gemerkt, dass wir uns mit den Deals, die uns angeboten wurden nicht wohlgefühlt hätten. Vertraglich nicht und was die Wertschätzung angeht auch nicht. Deshalb haben wir uns entschieden, den etwas härteren Weg einzuschlagen und über Crowdfunding zu gehen. Wir haben gesagt: Ey, wir haben eine große Fanbase und hoffen darauf, dass die Leute wieder am Start sind“. Ich finde den Gedanken so schön mit den Leuten zusammen ein Projekt auf die Beine zu stellen ohne die große Milliardärs-Firma, die uns Geld gibt. Das ist ein sehr schöner Gedanke. Schön und irgendwie romantisch. 

Bringt euch Crowdfunding also enger mit euren Fans zusammen?

Genau. Gerade bekommen wir ganz viel gutes Feedback. Die Leute sagen „toll, dass ihr wieder da seid“, das ist so ein schönes Gefühl. Wir haben gerade unser erstes Konzert für Januar 2022 veröffentlicht und es war nach einem Tag quasi ausverkauft. Trotz Corona und allen Unsicherheiten. Warum also nicht mit den Leuten auch zusammen eine Platte finanzieren? Eigentlich ist es das Naheliegendste.

Erzähl doch mal, wie eure Kampagne funktioniert. Was braucht es dafür?

Das Ganze muss super gut durchgeplant sein. Wir haben zum Glück eine tolle Community Managerin, die alles koordiniert und unsere „Dankeschöns“ durchkalkuliert. Es gibt verschiedene Vinyl-Boxen und Angebote wie „Wir kommen zu dir nach Hause in den Garten und spielen ein Konzert“, „du kannst ins Studio kommen und mit uns die Platte vorab anhören“ oder „du kannst einen Gesangs-Workshop mit Nicholas buchen“. Wir versuchen so nah wie möglich zu sein mit den Leuten. Was wir außerdem sehr auf dem Schirm haben ist Nachhaltigkeit.

Nachhaltigkeit in welchem Sinne?

Das Tolle am Crowdfunding ist, dass wir genau wissen, wie viele Tonträger wir herstellen lassen müssen. Normalerweise bestellst du hunderttausende von CDs, die im Zweifel im Müll landen, wenn sie nicht gekauft werden. Jetzt produzieren wir so punktgenau wie möglich und alles wird auf Nachhaltigkeit gesetzt: Wir verwenden recyceltes Vinyl und recyceltes Papier für die Verpackungen, kompostierbares Füllmaterial und kein Plastik.

Klingt spannend. Wann geht die Kampagne los?

Eigentlich hatten wir Anfang März angepeilt, aber das Ganze braucht mehr Zeit als wir ursprünglich geplant hatten. Unser Konzert auf dem Hausboot von Olli Schulz und Fynn Kliemann kam dazwischen – eine tolle Gelegenheit, die wir unbedingt nutzen wollten, um unser Comeback zum Leben zu erwecken. Es ist nämlich gar nicht so einfach, während der Corona-Pandemie einen guten Moment zu finden, außer zu Facebook zu gehen und zu sagen „Hallo, da sind wir wieder“. Langsam fragen die Leute aber natürlich: Wann kommt die Platte? Deshalb versuchen wir Anfang April an den Start zu gehen.

   

Jupiter Jones sagen auf Facebook: "Hallo, da sind wir wieder!" 

Ihr habt euch ja bei uns für die Hamburger Crowdfunding-Kampagnenförderung beworben und den Zuschuss bekommen. Was habt ihr mit dem Geld finanziert?

Die 5000 Euro deckeln quasi alle Kosten, die für die Kampagne anfallen. Wir bezahlen damit unsere Community Managerin, unsere Artworks, die eine Hamburger Designerin für uns macht und verschiedene Videos. Außer dem zentralen Crowdfunding-Video, haben wir zum Beispiel die Idee aus einem alten riesigen Backdrop Geldbeutel machen lassen und die Aktion als Video zu veröffentlichen.

Glaubst du Crowdfunding kann auch für unbekannte Musiker*innen funktionieren?

Ein Budget zu erreichen, mit dem man auf professionelle Art und Weise produzieren kann, ist glaube ich für Bands einfacher, die schon eine etwas größere Fanbase haben. Da gehören ja so viele Sachen zu, die man nicht auf dem Schirm hat wie Tonstudio, Mix Master, Videos, Reisekosten und weiß der Geier, was da alles zusammenkommt. Ich finde den Gedanken aber grundsätzlich super. Wenn du eine relativ unbekannte Band oder Künstler*in bist, musst du dich dabei natürlich fragen: Wo kommen die Unterstützer*innen her? Von alleine finden dich die Leute nicht. Es geht ja niemand zu Startnext und sucht „unbekannte Künstlerin“ oder sowas. Aber gerade für die sind 5000 Euro echt eine Menge Geld, mit dem man eine ganz tolle Kampagne auf die Beine stellen kann.

Und hast du für die unbekannte Künstlerin einen heißen Tipp? Worauf muss sie achten?

Sie braucht auf jeden Fall einen Kanal, über den sie kommunizieren und auf die Kampagne hinweisen kann. Es gibt nicht diesen einen Weg, diesen einen Kniff, den man anwendet und „hurra, es funktioniert“ ruft. Manchmal ist es ein Video, das viral geht und Aufmerksamkeit erzeugt. Es kann ein tolles Produkt sein. Es kann einfach ein toller Song sein, der funktioniert. Es gibt kein Rezept, aber mein bester Tipp ist: Sei nahbar, versuch direkt mit den Leuten zu kommunizieren.

Und gibt es irgendjemanden, dem du davon abraten würdest?

Nee, ich glaube sogar, dass Crowdfunding das Modell der Zukunft sein könnte. Ähnlich wie auf dem Biobauernhof, der sein Marketing direkt macht ohne über große Ketten zu gehen, verkauft man beim Crowdfunding auch ohne Umwege an die Leute. Du hast den direkten Draht. Vielleicht ist das Konzept der großen Plattenfirma sogar ein Auslaufmodell.

Sascha, danke für das Gespräch und viel Erfolg bei eurer Kampagne!

Seitdem Jupiter Jones 2002 auf einer Hausparty in der Eifel gegründet wurde, ist Sascha Eigner Gitarrist der Band.

Über den Crowdfunding Club

Beim monatlich stattfindenden Crowdfunding Club lernst du in kleiner Runde, wie du dich optimal auf deine eigene Crowdfunding-Kampagne vorbereitest. Das Angebot ist kostenlos und beinhaltet Wissenswertes von A wie Ablauf einer reward-based Crowdfunding-Kampagne bis Z wie Ziel deines Fundings. 

 

 

 

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