28.7.2020

Butter bei die Fische

Mehr Reichweite für die eigene Webseite

Foto: John Schnobrich via UnsplashFoto: John Schnobrich via Unsplash

Eine ansprechende Internetpräsenz – sei es der eigene Webshop oder das Portfolio – gehört zu den wesentlichen Bausteinen einer erfolgreichen Selbstständigkeit. Aber was muss bei der Erstellung beachtet werden? Die Webdesignerin Friederike von dem Bussche gibt wertvolle Tipps.

Friederike, was macht eine gute Webseite aus?

FvdB: Auf einer guten Webseite wissen User/innen sofort, worum es geht und was sie dort bekommen (Wissen) oder kaufen (Dienstleistungen, Produkte) können. Sie finden die Informationen, die sie suchen, ohne sich das Gehirn zu zermartern und fühlen sich dabei angesprochen und verstanden.

Das hört sich jetzt vielleicht einfach oder selbstverständlich an, fällt aber den meisten meiner Kunden und Kundinnen superschwer, weil man dafür als “Anbieter/in” in die Kundenperspektive wechseln muss.

Wie gelingt es denn, sich stärker in die Kundenperspektive hineinzuversetzen?

FvdB: Um sich in andere Menschen hineinversetzen zu können, muss man sich mit ihnen beschäftigen, sich für sie interessieren und ein offenes Ohr für ihre Themen haben. Daher macht man für eine gute, erfolgreiche Website im Vorfeld eine Zielgruppenanalyse bzw. erstellt sogenannte Personas. Das funktioniert ähnlich wie das Profiling im Kriminalbereich:  Man überlegt sich genau, in welcher (finanziellen, zeitlichen) Situation sich der potenzielle Lieblingskunde befindet und analysiert Hobbys sowie Wünsche und erforscht, welche Hürden, Handicaps und Glaubenssätze dieser Mensch zu bewältigen hat. Und genau dort sollte man dann mit seinen Angeboten ansetzen und Lösungen anbieten, die den Kunden oder die Kundin an die Wunschziele bringt.

Welche Fachwörter sollte ich kennen, wenn ich mir eine eigene Internetpräsenz erstelle?

FvdB: Man sollte auf alle Fälle den Unterschied zwischen Backend und Frontend verstehen. Das Frontend ist die Website, wie sie der User sieht, vergleichbar mit einer Ladenfront. Das Backend ist dann quasi das Hinterzimmer. Von hier aus wird die Website befüllt, eingerichtet und analysiert. Die Fachwörter unterscheiden sich je nach Content Management System. Ein geläufiges Programm ist WordPress. Hier heißt das Backend auch Admin-Bereich. Dort landet man, nachdem man sich eingeloggt hat und man kann dann von dort aus alles verwalten. Ein bisschen so wie bei Star Trek auf der Brücke.

Weitere wichtige WordPress-spezifische Begriffe sind:

Theme - so wird das Design deiner WordPress-Website genannt. Es gibt unendlich viele kostenlose und kostenpflichtige WordPress-Themes und jeder, der HTML/CSS plus PHP-Kenntnisse hat, kann sich auch ein eigenes Theme-Design erstellen. Da das Design und die Inhalte einer WP-Website getrennt voneinander gespeichert sind, kann man theoretisch jeden Tag seiner Website ein neues digitales Kleid verpassen. Allerdings muss man meistens noch einiges per Hand anpassen und somit ist das nicht wirklich zu empfehlen.

Plugin - WordPress selbst ist bei der Installation relativ “nackig” und nur mit wichtigen Grundfunktionen ausgestattet. Aber so wie es bei Smartphones für alles eine App gibt, gibt es bei WordPress für jeden Bedarf ein Plugin. So kann man sich dann ohne Probleme seinen Fiat Pixel Panda zum virtuellen Web-Porsche ausbauen.

Was muss ich in der Wahl eines passenden Tools beachten?

FvdB: Bevor man mit der Webherrschaft loslegt, sollte man sich zuerst seiner Ziele im Web klar werden. Will ich meine Arbeiten präsentieren, Dienstleistungen anbieten, Wissen teilen oder mir einen Shop aufbauen? Das ist wirklich wichtig zu wissen, denn für jedes dieser Ziele muss mein Tool bestimmte Dinge können.

Als Nächstes sollte man sich auch im Klaren sein, dass man im Normalfall kein Webdesigner werden will. Einige meiner Kunden und Kundinnen starten mit komplizierten Tools oder Themebuildern, für die sie unendlich viel Zeit investieren müssen, um zu lernen, wie sie damit zurechtkommen. Manchmal genügt für den Anfang der Selbstständigkeit aber sogar eine Webvisitenkarte oder ein gutes LinkedIn-Profil, um schon mal erste Business-Kontakte zu knüpfen.

Bei einigen Anwendungen wie z. B. Drupal kommt man auf keinen Fall ohne Programmierer aus, wenn es beispielsweise um Updates geht. Das sollte man im Budget dann einkalkulieren.

Was kann ich tun, damit meine Internetpräsenz gefunden wird? Wie werde ich sichtbar?

FvdB: Mit viel Liebe und etwas Spucke! Ein paar schicke Fotos machen leider noch keine erfolgreiche Internetpräsenz. Du brauchst richtig gute Texte und multimediale Inhalte, die deinen Lieblingskunden ansprechen und ihm zeigen, dass du genau sein Problem lösen kannst. Mit so einem Content in hoher Qualität kann auch Google am besten etwas anfangen und du wirst von deiner Zielgruppe besser über die Suchmaschine gefunden.

Natürlich kann man sich auch über Social Media sichtbar machen, indem man dort seine spannenden Inhalte teilt. Man darf nur nicht erwarten, dass sich Sichtbarkeit von alleine oder von heute auf morgen einstellt. Eine gute Reichweite zu erlangen ist harte Arbeit und braucht etwas Zeit.

Welche Änderung hat die Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) in Bezug auf das Erstellen und den Inhalt meiner eigenen Internetpräsenz mit sich gebracht?

FvdB: Seit der Einführung der DSGVO ist bei der Erstellung einer Website noch mal mehr Vorsicht in Sachen Datensammeln geboten. Ich rate dazu, nur die Daten deiner User zu sammeln, die wirklich notwendig sind. Das bezieht sich jetzt nicht nur auf das Kontaktformular oder die Kommentarfunktion, sondern auch auf Plug-ins, die Daten deiner Besucher/innen auf Server im Ausland transferieren und dort speichern oder ohne zu Fragen Verbindungen zu sozialen Netzwerken herstellen.

Außerdem sollte man seine Datenschutzerklärung sehr sorgfältig verfassen und dort wirklich alles auflisten, was in Sachen Userdaten auf der Website und dahinter so passiert.
Aber man muss jetzt auch nicht in Panik verfallen, es gibt mittlerweile gute Checklisten für Plug-ins, zahlreiche informative Blogartikel, praktische Generatoren oder Anleitungen für Datenschutzerklärungen sowie hilfreiche Facebook-Gruppen zu dem Thema. Mit ein bisschen Fleiß und einem großem Kaffee kann man das Thema in den Griff bekommen.

Vielen Dank für das Gespräch, Friederike!

Die gelernte Tischlerin und diplomierte Innenarchitektin Friederike von dem Bussche entdeckte schon während des Studiums ihre Leidenschaft zum Webdesign und bevorzugt es seitdem, virtuelle Räume zu gestalten. Seit zehn Jahren ist sie nun als Patin des Pixelsyndikats unterwegs und hilft Solo-Selbstständigen, Gründer/innen und Macher/innen dabei, ihre WordPress-Webseite selbst zu erstellen. Zu diesem Zweck hat sie die "Anleitung zur Webherrschaft" entwickelt. Wenn sie mal nicht an der Webherrschaft arbeitet, ist Friederike in und um Hamburg bei spannenden Vorträgen, größeren Events und Konferenzen als Graphik Recorderin anzutreffen, um kompliziertes oder hilfreiches Wissen für mehr Menschen zugänglich und begreifbar zu machen.

Über Butter bei die Fische

In wöchentlichen Vorträgen geben Referent/innen aus der Praxis Auskunft zu Themen wie Künstlersozialkasse, Steuern, Angebotserstellung, Marketing und Akquise. Diese Grundlagen sollen den Einstieg in die Selbstständigkeit erleichtern und die fachliche Expertise um ein Wissen der ökonomischen Rahmenbedingungen in der Kreativwirtschaft erweitern. Die Vortragsreihe wird in jedem Semester in Kooperation mit Hamburger Hochschulen und privaten Kreativschulen angeboten – Teilnahmebestätigungen können ausgestellt werden.

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