Auswirkungen der Corona-Krise auf die Kreativwirtschaft

Auswirkungen der Corona-Krise auf die Kreativwirtschaft

Auswirkungen von COVID-19 auf die Kreativwirtschaft

Abgesagte Konzerte, geschlossene Galerien, wegbrechende Aufträge: Auch im Kreativ- und Kultursektor hinterlässt die Corona-Krise gravierende Spuren.

Welche Auswirkung hat die Corona-Krise auf Ihre wirtschaftliche Tätigkeit? Dies fragten KREATIVE DEUTSCHLAND und das Netzwerk der öffentlichen Fördereinrichtungen für die Kultur- und Kreativwirtschaft rund 6.600 Solo-Selbständige sowie Klein(st)unternehmen aus der Kultur- und Kreativbranche.

Massive Umsatzeinbußen

Die Ergebnisse zeigen: Die nationale und internationale Markterschließung bzw. Auftragsakquise im Kreativsektor ist weitgehend zum Erliegen gekommen. Auch die Umsetzung von bereits geplanten und laufenden Projekten stockt. Gut die Hälfte der Befragten rechnet mit Umsatzeibußen von über 30 Prozent oder verzeichnet diese bereits. Viele stellen sich perspektivisch auf deutlich höhere Ausfälle ein: Knapp 17 Prozent der Selbständigen bzw. Unternehmen erwarten Umsatzeinbußen von bis zu 50 Prozent, ein Fünftel der Befragten rechnet sogar mit Einbußen von 75 Prozent oder höher. Gerade für Soloselbständige und Kleinstunternehmen ohne nennenswerte Rücklagen sind bereits Umsatzeinbußen im niedrigen zweistelligen Bereich existenzbedrohend. Eine Wiederholung der Umfrage ist für Mai geplant.

Gestrichende Aufträge und Planungsunsicherheiten

Umsatzeinbußen ergeben sich vor allem durch:

  • die Verschiebung oder ersatzlose Absage von Veranstaltungen und das verbundene Wegbrechen von Gagen bzw. Ticketverkäufen
  • eingeschränkte Reisefähigkeit von Veranstalter/innen, Personal und Besucher/innen
  • die Schließung von Geschäften
  • massive Planungsunsicherheiten, da die Dauer der Maßnahmen nicht absehbar ist

Ausblick

Die wirtschaftlichen Auswirkungen der Coronakrise sind bereits jetzt gravierend und für viele Kreativschaffende existenzbedrohend. Obgleich sich der Sektor in vergangenen Wirtschafts- und Finanzkrisen als recht resilient erwies, ist im Fall der Corona-Pandemie mit langfristigen wirtschaftlichen Folgen zu rechnen.

Die Coronakrise und ihre Nachwehen treffen die Kreativbranche in drei Wellen - davon gehen die Befragten aus. 

Erste Welle: Zehntausende Kultur- und Kreativschaffende haben ihre unmittelbaren Einkommensmöglichkeiten verloren. Kunden streichen Aufträge, die Akquise steht still. Insbesondere Großevents wie Festivals sind ersatzlos abgesagt. Für viele Kreative halbiert sich damit der erwartete Jahresumsatzes. Der Grund: Im Sektor verteilen sich Umsätze selten gleichmäßig auf das Kalenderjahr, sondern konzentrieren sich auf die Festival- und Konzertsaison im Sommer. 

Zweite Welle: Im Unterschied zur Tourismusbranche oder dem Einzelhandel wird sich die Auftragslage voraussichtlich auch nach Ende der Krise nicht schlagartig verbessern, da (Groß-) Veranstaltungen oder Filmproduktionen einen langwierigen Planungs- und Marketinghorizont erfordern. Viele Kreativschaffende gehen zudem davon aus, dass wirtschaftlich in Mitleidenschaft gezogene Kunden Aufträge zurückstellen, da sie in Konsolidierungsphasen weniger in Kreativleistungen, wie Marketingkampagnen, investieren werden.

Dritte Welle: Die Befragten rechnen mit einem enormen Investitionsstau: Wenn Einnahmen aus Aufträgen und Rechteverwertung ausbleiben, führt dass dazu, dass 2021 Investitionsmittel fehlen werden.

Detailiertere Infos zu den Umfrageergebnissen finden Sie hier.

Digitalisierung als Chance

Gestrichene Aufträge, Planungsunsicherheit, Existenzangst - es fällt schwer, der Coronakrise etwas Positives abzugewinnen. Und doch: Wenn vermeintlich Selbstverständliches wie uneingeschränkte Mobilität unmöglich wird und tradierte, analoge Geschäftsmodelle bzw. -prozesse nicht länger funktionieren, stellt sich die Frage nach Alternativen. Digitale Technologien bergen diesbezüglich erhebliche Chancen.

Wie es gelingen kann, Kreativleistungen digital zu präsentieren und zu vertreiben, zeigte die Staatsoper Unter den Linden in Berlin: Die Darsteller/innen spielten Georges Bizets Oper "Carmen" am 12. März in einem Saal ohne Publikum. Zuschauer/innen konnten die Vorstellung im Internet via kostenlosen Livestream oder bei rbbKultur im Radio verfolgen. Auch für andere Sparten und Geschäftsmodelle bieten sich geeignete Möglichkeiten: Einige Konferenzen und Kongresse werden schon seit Jahren (ausschließlich) online abgehalten. Viele kleine Geschäfte stellten ihren Verkauf in den vergangenen Tagen teilweise um und bauen ihre Onlineshops aus. Immer mehr Clubs kreieren Streamingangebote und bringen die Party in die Wohnzimmer der Hörer/innen. Not macht erfinderisch - so abgedroschen dieser Satz klingt, zeigt sich im Angesicht der herausfordernden Situation, wie viel Wahrheit in ihm steckt. 

 

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