4.3.2019

Butter bei die Fische

Tipps zur Altersvorsorge für Kreative

Die Juristin Kerstin Becker-Eiselen erklärt, welche Versicherungen sich lohnen und welche weiteren Maßnahmen junge Kreative ergreifen sollten, um gut abgesichert ins Berufsleben zu starten. 

Als Berufsstarterin verfüge ich über ein knappes finanzielles Budget. Wie kann ich mich trotz wenig Geld bereits jetzt auf meine Altersversorgung vorbereiten?

Junge Leute, die in den Beruf starten, sollten zunächst eine Bestandsaufnahme machen: Sind alle notwendigen Versicherungen vorhanden? Sind Schulden zurückgezahlt? Habe ich ein finanzielles Polster, um unvorhergesehene Ausgaben auffangen zu können? Wieviel Geld bleibt am Ende des Monats übrig, das dauerhaft zurückgelegt werden kann? Erst dann kann es um den Aufbau einer Altersvorsorge gehen. Wer also kein Geld übrig hat, kann auch nicht sparen.

Welche Versicherungen sind denn deiner Meinung nach ein Muss?

Notwendig sind aus meiner Sicht zwei Versicherungen: die private Haftpflichtversicherung und eine Berufsunfähigkeitsversicherung. Wenn du einem anderen einen Schaden zufügst, kann es sein, dass der Schadensersatz dich in den finanziellen Ruin treibt, denn du haftest unbegrenzt mit deinem gesamten Vermögen auch für die Zukunft. Die private Haftpflichtversicherung ist für weniger als 100 Euro im Jahr zu bekommen. Teurer und insbesondere auch teuer für Selbständige und Kreative ist allerdings die Berufsunfähigkeitsversicherung. Gleichwohl aber ist sie wichtig, um bei einer länger andauernden Krankheitsphase, in der du deinen Beruf zeitweise nicht mehr oder auch gar nicht mehr ausüben kannst, nicht auf staatliche Leistungen wie Grundsicherung angewiesen zu sein. Wenn du mit deinem Einkommen eine Familie versorgen musst, kann auch eine Risikolebensversicherung wichtig werden. Diese Versicherung zahlt nur dann, wenn die versicherte Person verstirbt. Dann aber zahlt sie eine hohe Summe – oft mehrere hunderttausend Euro. Diese sollen dazu dienen, die Familie abzusichern, etwa durch die Absicherung der Ausbildung der Kinder oder die Weiterbezahlung der Raten fürs Eigenheim.

Bleiben wir mal bei den Selbstständigen und Kreativen. Welche Kriterien sollten in der Wahl der Versicherung Berücksichtigung finden?

Auch selbständige Kreative brauchen eine private Haftpflichtversicherung und eine Berufsunfähigkeitsversicherung – unabhängig davon ob sie von der Künstlersozialkasse aufgenommen werden. Dazu kann aber noch eine Krankentagegeldversicherung kommen, die das Krankengeld, das angestellte Arbeitnehmer/innen bekommen, ersetzen soll. Aus unternehmerischer Sicht – und daher für uns als Verbraucherschützer nicht im Fokus – kann auch eine Betriebshaftpflicht- oder Betriebsunterbrechungsversicherung relevant sein. Bei der Berufsunfähigkeitsversicherung solltest du darauf achten, eine sogenannte „selbständige Berufsunfähigkeitsversicherung“ abzuschließen. Das heißt, dass die Versicherung nicht an eine andere Versicherung gekoppelt sein soll, wie zum Beispiel an eine Lebensversicherung.

Was sollte ich als Berufseinsteiger/in in Hinblick auf meine Absicherung und Anlageentscheidungen außerdem berücksichtigen?

Schiebe notwendige Versicherungen und Altersvorsorge nicht auf die lange Bank. Berufsunfähigkeitsversicherungen werden im Alter immer teurer und auch das Risiko, eine Krankheit zu bekommen, die dazu führt, dass Versicherungen dich nicht aufnehmen, steigt mit dem Alter.

Gibt es deiner Meinung nach auch Versicherungen, die es sich nicht lohnt abzuschließen?

Schließe keine Lebens- oder Rentenversicherung – auch keine sogenannte Rürup- oder Basisrente - ab. Das ist letztlich ein viel zu teurer Sparvertag. Rürup- oder Basisrentenverträge sind außerdem viel zu unflexibel, das heißt, sie können weder gekündigt, noch beliehen, verkauft oder vererbt werden.

Was rätst du (zukünftigen) Selbstständigen noch, welche Tipps könntest du mir mit auf den Weg geben?

Schließe möglichst frühzeitig eine Berufsunfähigkeitsversicherung ab. Möglichst schon als Student/in, wenn du die Selbständigkeit planst oder solange du noch im Angestelltenverhältnis bist. Das kann sich bei den Beiträgen günstig auswirken.

Schließe keine langfristigen Spar- oder Rentenverträge ab. In jungen Jahren weißt du nicht, wo die Reise deines Lebens hingeht. Vielleicht brauchst du zwischenzeitlich Geld um deine Selbständigkeit, ein Haus oder Anderes zu finanzieren. Und lass dich unabhängig beraten. Unabhängige Beratung bekommst du zum Beispiel in den Verbraucherzentralen.

Vielen Dank für das Interview!

Die Rechtsanwältin Kerstin Becker-Eiselen arbeitet seit 1994 in der Verbraucherzentrale Hamburg (VZHH), wo sie u.a. den Fachbereich „Versicherungen“ aufbaute. Seit 2014 ist sie Abteilungsleiterin für den Bereich „Geldanlage/Altersvorsorge und Versicherungen“ zuständig. Außerdem war sie mehrere Jahre Geschäftsführerin der Tierärztekammer Hamburg. Im Rahmen unserer Veranstaltungsreihe "Butter bei die Fische" berät sie Kreative zu Fragen der sozialen Absicherung und Altersvorsorge.

Über Butter bei die Fische

In wöchentlichen Vorträgen geben Referent/innen aus der Praxis Auskunft zu Themen wie Künstlersozialkasse, Steuern, Angebotserstellung, Marketing und Akquise. Diese Grundlagen sollen den Einstieg in die Selbstständigkeit erleichtern und die fachliche Expertise um ein Wissen der ökonomischen Rahmenbedingungen in der Kreativwirtschaft erweitern. Die Vortragsreihe wird in jedem Semester in Kooperation mit Hamburger Hochschulen und privaten Kreativschulen angeboten – Teilnahmebestätigungen können ausgestellt werden.

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