26.10.2020

Finanzierung

Membership-Finanzierung: Regelmäßiges Einkommen für Kreative

Foto: Unsplash (Montage)Foto: Unsplash (Montage)

Immer mehr Kreative finanzieren Arbeit und Existenz durch sogenannte Membership-Finanzierungen – so auch Simone Grünwald. Wir sprachen mit der freiberuflichen Illustratorin über das Finanzierungsmodell: Wie gelingt die Membership-Finanzierung?

Hamburg Kreativ Gesellschaft: Simone, seit 2018 bestreitest du einen Teil deines Lebensunterhaltes via Membership-Finanzierung. Wie kamst du dazu?

Simone Grünwald: Mit Mitte Zwanzig habe ich angefangen für eine Computerspielefirma zu arbeiten. Dort war ich knapp zehn Jahre tätig als Artist und Art Director – bis ich meinen Sohn bekam. Ich musste feststellen, dass der Job mit meinem neuen Familienleben nicht so vereinbar war, wie ich mir das gewünscht hätte. Deswegen bin ich in die Selbständigkeit gewechselt. Seitdem arbeite ich halbtags als freiberufliche Illustratorin an verschiedensten Jobs. Daneben biete ich seit 2018 über die Plattform Patreon Zeichen-Tutorials an. Ich vermittle dort mein Wissen und zeige, wie man bestimmte Dinge zeichnet. Jeden Freitag erstelle ich eine neue Lektion.

Über Membership-Finanzierung: Kreativschaffende können via Social-Payment-Service-Anbieter wie Patreon oder Steady Fans um monatliche finanzielle Unterstützung bitten. Diese sogenannte Membership-Finanzierung soll die Existenz der Kreativen nachhaltig sichern und ihnen ermöglichen, ihre Projekte aufrecht zu erhalten oder sogar auszubauen. Unterstützer/innen erhalten im Gegenzug für ihre Zahlungen Extra-Inhalte, Sachgüter oder andere projektbezogene Belohnungen.

Wie kann man sich diese Tutorials vorstellen?

Ich mache manchmal Videos. Aber meist erstelle ich digitale Sheets mit Schritt-für-Schritt-Anleitungen. Das sind quasi Merkblätter, wo ich zusammenfasse, wie man bestimmte Dinge zeichnet.

Woher kam deine Idee, gerade Tutorials anzubieten?

Schon während meines Jobs bei der Spielefirma habe ich Kollegen unterstützt, die nicht weiter wussten beim Zeichnen. Ich habe mit ihnen zusammen geschaut: Was können wir da machen, wie können wir das verbessern? Oder wenn viele Leute in der Firma Probleme hatten – etwa mit dem Zeichnen von Händen – dann habe ich dazu einen kleinen Kurs gegeben. So hat sich die Idee, Online-Tutorials gegen Geld anzubieten, ganz natürlich ergeben.

Passender Weise hatte ich schon vor meiner Aktivität auf Patreon angefangen, an meinem Buch "Sketch Every Day" zu arbeiten. Die online veröffentlichten Tutorials habe ich dann im Buch zusammengefasst und so zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Das Buch wurde übrigens über Crowdfunding finanziert.

Crowdfunding ist mittlerweile vielen ein Begriff. Das Prinzip der Membership-Finanzierung hingegen ist noch recht unbekannt. Wie bist du darauf gekommen?

Wenn ich mich recht erinnere, hat mein Mann mich darauf aufmerksam gemacht. Ich habe mir das dann angeguckt und viele Patreon-Seiten von anderen Kreativen gesehen. Was für mich super war: Die Patreon-Seite lässt sich gut über Social Media bewerben. So konnte ich mir zunutze machen, dass ich auf Instagram über fünfhunderttausend Follower habe.  

Du bist nicht nur auf Instagram erfolgreich. Auch auf Patreon hast du eine echte Erfolgsgeschichte hingelegt: Während du zu Beginn nur wenig über die Plattform verdientest, sind es mittlerweile etwa zweitausend Euro pro Monat. Kannst du dir das erklären?

Das ergab sich keinesfalls zufällig. Ich startete mit etwa vierzig Dollar Einnahmen pro Monat. Es hat sich stetig gesteigert, aber ging nie besonders hoch. Das hat mich nicht gestört, denn das was ich da mache, konnte ich ja in meinem Buch weiterverwerten.

Irgendwann, als ich schon viele Anleitungen auf Patreon veröffentlicht hatte, habe ich entschieden: Ich fasse nun die kleinen, unzusammenhängenden Tutorials in thematisch sortierten PDFs zusammen. Im Herbst vergangenen Jahres habe ich die Zusammenfassungen dann als Geschenk rausgegeben an diejenigen, die mich da neu abonniert haben. Das hat sehr viele Leute angesprochen und ab da gingen meine Einnahmen extrem zügig hoch. Es ist also sinnvoll, eine Kleinigkeit als Anreiz zum neuen Abo dazu zu geben.

Auf Instagram gibt Simone Grünwald Einblicke in ihre Arbeit. Bild: Simone GrünwaldAuf Instagram gibt Simone Grünwald Einblicke in ihre Arbeit. Bild: Simone Grünwald

Toll, dass diese Maßnahme so eingeschlagen ist. Würdest du anderen Kreativen eine Membership-Finanzierung empfehlen?  

Membership-Finanzierung ist eine Sache, die für bestimmte Projekte besonders gut und für andere eher nicht funktioniert. Du brauchst halt wirklich viele Leute, die sich für dein Angebot interessieren. Und es ist von Vorteil, auf Social Media eine gewisse Reichweite zu haben. Denn darüber kommen die Leute auf deine Patreon-Seite – nur selten über die Plattform selbst.

Danke für das Interview, Simone.

Simone Grünewald ist Illustratorin. Nach ihrem Abschluss an der Hamburger Technischen Kunstschule und der Hamburg Animation-School war die Hamburgerin bei dem Computerspielentwickler und -Publisher Daedalic Entertainment tätig. Seit der Geburt ihres Sohnes arbeitet Simone freiberuflich. 

Veranstaltungstipp: Membership-Finanzierung – Monatliches Einkommen für Ihre kreativen Ideen

Sie wollen mehr über Membership-Finanzierungen lernen? Dann melden Sie sich an zu unserer Online-Veranstaltung "Membership-Finanzierung – Monatliches Einkommen für Ihre kreativen Ideen" am 26. November 2020. 

Erfahren Sie u.a.:

  • was eine Membership-Finanzierung von einer Crowdfunding-Kampagne unterscheidet.
  • alles wichtige über die Social-Payment-Anbieter Steady und Patreon.
  • mit viel monatlichen Einkommen Sie durch Membership-Finanzierungen rechnen können.
  • was sie benötigen, um eine erfolgreiche Membership-Finanzierung zu starten. 
  • wie Sie Unterstützer/innen finden und an sich binden.

Die Teilnahme ist kostenfrei. 

zur Anmeldung →
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