Der Cross Innovation Hub wird mit Mitteln aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) co-finanziert.

2.10.2018

Blockchain

Mehr Mitsprache im Programmkino

Ausverkauft, verpasst oder gar nicht erst im Programm: Ein Gespräch mit Fritz Saalfeld vom Abaton-Kino über digitale Lösungen zur Gestaltung des Kinoprogramms und Chancen einer kontrovers diskutierten Technologie: Blockchain.

Fritz, inwiefern können digitale Anwendungen im Bereich des Programmkinos zusätzlichen Nutzen stiften?

Im Programmkino zeigen wir Filme abseits des Mainstreams. Deshalb müssen wir ein besonderes Gespür für die spezifischen Wünsche und Bedürfnisse unserer Zielgruppen haben. Mithilfe digitaler Tools können wir dem Publikum mehr Mitspracherecht in Bezug auf die Programmgestaltung geben. Zudem wird es möglich, Prozesse zu vereinfachen, sodass nicht alles per Hand gemacht werden muss. Das Abstimmen von Schulvorstellungen oder Filmverleihanfragen nehmen beispielsweise viel Zeit in Anspruch. Ein digitalisiertes System, das die Buchungen von Filmen automatisiert, könnte solche Vorgänge vereinfachen.

Die Blockchain-Technologie sorgt seit einiger Zeit für viel Gesprächsstoff. Auch im Kulturbetrieb werden dem Einsatz der dezentralen „Datenblöcke“ große Potentiale nachgesagt. Siehst du Anwendungsgebiete im Kinobereich?

Blockchain kann digitale Transaktionen – von der Banküberweisung bis zum Ticketkauf - grundlegend verändern. Ein System auf Basis der Blockchain könnte die Filmwünsche der Kinobesucher/innen kleinteilig abbilden und einen ganz neuen Demokratisierungsansatz im Bereich der Programmgestaltung einführen. Vorteile von Blockchain sind hier klar die Transparenz und eine einfache sowie sichere Datenübertragung. Es wäre sinnvoll, dass nicht nur ein einzelnes Programmkino eine Blockchain-Lösung entwickelt, sondern kleine Verleiher, Kinos und Lieferanten zusammenarbeiten würden.

Siehst du eine reale Zukunft für den Einsatz von Blockchain im Kulturbetrieb bzw. in eurer Programmgestaltung?

Ich glaube, Blockchain hat auf jeden Fall eine Chance, weil viele Abläufe damit vereinfacht werden können. Es gibt nur in jedem Kulturbereich einige Hürden. So gibt es im Musikbereich das Problem, dass die GEMA ein ziemliches Monopol hat. Im Kinobereich ist es eher das Gegenteil. Da gibt es viele unterschiedliche Verleiher und Kinos mit unterschiedlichen Kassensystemen und Zulieferern, die sich darauf einigen müssten, so eine Technologie zu benutzen. Ich sehe die Zukunft im Kinobereich in einer gemeinsamen Blockchain-Lösung der Verleiher, die sich mit Softwareanbietern von Kassensystemen zusammentun. Die einzelnen Kinos wären dann mehr oder weniger gezwungen die Blockchain dafür zu nutzen, ihre Besucherzahlen und Umsätze zu melden und so ein gemeinsames System zu nutzen.

Fritz Saalfeld ist die Assistenz der Geschäftsleitung im Abaton Kino, einem der ersten Programmkinos in Deutschland. Das Kino wurde in den 70er Jahren mit der Idee gegründet, ein Programm zu entwickeln, das "nicht den verkrusteten Strukturen der Kommerzkinos gehorchte". Heute kommen mehr als 220.000 Besucher Jahr für Jahr ins Abaton, um neue Filme zu sehen.

Über die Sommerakademie 2018

In der diesjährigen Sommerakademie haben Studierende verschiedener Fachrichtungen digitale Lösungen, z.T. auf Basis von Blockchain, für Herausforderungen verschiedener Hamburger Kultureinrichtungen erarbeitet. Das Abaton-Kino suchte nach einer Möglichkeit, dem Publikum mehr Mitsprache in der Programmgestaltung zu geben: „Da das Verknüpfen von Blockchain mit unserem Kassensystem schwierig gewesen wäre, haben die Studierenden letztendlich ein Konzept für eine interaktive App entwickelt, die innerhalb von kurzer Zeit an die bestehenden Strukturen des Abatons angebunden werden könnte", so Fritz. Die Sommerakademie ist ein Format im Rahmen des Cross Innovation Hub, einem Projekt der Hamburg Kreativ Gesellschaft, das zu Austausch und Zusammenarbeit kreativer und anderer Branchen anregt.

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