Der Cross Innovation Hub wird mit Mitteln aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) co-finanziert.

30.7.2021

Cross Innovation Hub

Keine Innovation ohne Improvisation: Was möglich wird, wenn Unternehmen nicht nach Plan vorgehen

Improvisieren wurde lange Zeit beachtet als Ad-hoc-Tun, wenn es eben nicht mehr anders ging. Über die Rolle der Improvisation in Innovationsprozessen und was alles möglich werden kann, wenn Unternehmen nicht nach Plan vorgehehen.

„Wie können wir als Team am besten an innovativen Ideen arbeiten?“ oder „Wie kann ich besser und schneller auf unerwartete Entwicklungen mit Innovationen reagieren, um daraus unternehmerischen Vorteil zu ziehen?“ - neben konkreten Herausforderungen sind diese Fragen Gründe für Unternehmen, um an den Angeboten vom Cross Innovation Hub teilzunehmen. Einige Unternehmen bringen in unsere Formate schon sehr konkret formulierte Herausforderungen und auch Ansätze für deren Lösung mit. Nicht zufällig - denn „lösungsorientiert“ zu denken ist in der Unternehmenswelt bekanntlich wichtig. Unternehmen erreichen viel durch strukturierte und geplante Abläufe: Planung und Zielorientiertheit geben Sicherheit, Stabilität, Reproduzierbarkeit und Skalierbarkeit von Prozessen bis hin zu Produkten. Die Ergebnisse eines Innovationsauftrags sollen nach diesem Verständnis am besten schon am Anfang des Prozesses feststehen. Unklar ist nur noch, wie man dort hinkommt…

Von dieser Haltung wollen wir die Teilnehmenden erstmal befreien. Inspiriert von den Arbeitsprozessen von Kreativen ist bei uns der Weg von zentraler Bedeutung. Mit einer Zielorientiertheit im Blick gehen wir einen gemeinsamen Weg hin zu einem vorerst offenen Ergebnis. Warum?

Kompetenz für das Unbekannte

Der traditionelle Innovationsprozess legt mehr oder weniger am Anfang das Ende fest und erschwert, einen weiten Blick auf das Problemfeld einzunehmen, zu perspektivieren, Kund*innen und ihren Bedarfen besser zu begegnen und genauer hinzuschauen, worum es eigentlich geht. Etwas wirklich Neues kann am Ende dieses Innovationsprozesses schwerlich herauskommen. Aber genau das wird immer häufiger gebraucht in Situationen mit unbekanntem Verlauf. Mit einer offenen Haltung gegenüber dem Neuen dagegen gelangt man aus der Engführung und gewinnt viele Optionen. Dabei schult sich die Fähigkeit, die im Ökonomischen immer wichtiger wird: Der kompetente Umgang mit dem Komplexen und Unvorhergesehenen.

Improvisieren kann man das auch nennen und es wurde lange Zeit wenig beachtet als Ad-hoc-Tun, wenn es eben nicht anders ging. Die Wirtschafswissenschaften sahen in der Improvisation in erster Linie ein Zeichen mangelnder Organisation und verpassten ihr damit den Stempel des Defizitären. Dabei geht es auch ganz anders.

Von Kreativen lernen

Experten im Umgang mit dem Unerwarteten und Komplexen sind Kreative: Sie erschaffen nicht nur laufend Neues und sind deshalb immer im Training, sie arbeiten sogar ganz bewusst und methodisch mit dem Unerwarteten und schlagen daraus Funken, am deutlichsten vermutlich im Improvisationstheater und in der Musik. Der Jazz-Musiker, Entrepreneur und Experte für Improvisational Leadership und Design – Hagen Möller – versteht Improvisation als eine „Technologie“, die sich auf unternehmerische Prozesse übertragen lässt. Was, so fragt er sich, kann in einem Unternehmen alles möglich werden, wenn es nicht nach Plan vorgeht, sondern aus dem Tun heraus entscheidet? Wie kann ein Design aussehen, das das Improvisieren befördert und gute Ergebnisse hervorbringt?

Christopher Dell, Musiker und Professor für Städtebau und Stadterneuerung an der Universität der Künste Berlin macht deutlich, dass immer mehr unternehmerische Herausforderungen Improvisation als Technologie brauchen, weil angesichts des schnellen Wandels die herkömmlichen organisationalen Regeln nicht mehr greifen.

Ohne Fehler kein Kulturwandel

Was brauchen aber Manager*innen, Mitarbeiter*innen, um das Improvisieren zu einem konstruktiven Handlungskonzept machen zu können? Coach und Leadership Trainerin Lisa Gill entlehnt für einen gelingenden Übertrag vom Künstlerischen auf das Unternehmerische einige wichtige Aspekte aus dem Improvisationstheater:

  • Die Bereitschaft, Planung und einen geradlinigen Verlauf zu „verlernen“ und mit Vertrauen an Unbekanntes heranzugehen ist ein hilfreiches Mindset
  • Generatives Zuhören als aktives, zugewandtes Zuhören kann Neues erzeugen und ist die Voraussetzung dafür, wach auf das zu reagieren, was im Moment geschieht
  • Improvisationsbeiträge sollten im Team als Geschenk wahrgenommen werden, mit dem man mit der „Ja, und…“-Methode reagieren kann, um gemeinsam konstruktiv daran weiterzuarbeiten.

Man erkennt schon an diesen drei Themen, dass das Improvisieren in einer Unternehmenskultur funktioniert, die es versteht, mit Situationen umzugehen, die nicht immer reibungslos funktionieren und ohne Fehler sind. Wenn Fehler in Organisationen bisher tabu sind, schreibt Lisa Gill, kann man entweder eine Kultur schaffen, in der sie geteilt werden und aus der man lernt, oder man bleibt verhaftet in einer Kultur der Angst und ohnmächtigen Inkompetenz.

Allgemeiner gesprochen wird der Kulturwandel in Organisationen lebendig, wenn den Mitarbeitenden ganz selbstverständlich Positives unterstellt wird, sie als kompetent und innovationsfähig angesehen und ihnen dezentrale Entscheidungsbefugnisse gegeben werden. Ein Beispiel dafür, wie Unternehmen dann nicht nur ökonomisch wachsen, sondern auch menschlich aufblühen ist die niederländische Pflegeeinrichtung Buurtzorg, die es verstanden hat, Kund*innen und Mitarbeiter*innen ins Zentrum zu stellen statt Organisation und Bürokratie. Buurtzorg überlässt ihnen vertrauensvoll, wie sich der pflegebedürftige Mensch wohlfühlt und die dezentrale Organisationseinheit funktionieren kann. Da wird ganz viel „improvisiert“ und das mit höchster Kompetenz zum Wohl aller Beteiligten.

Über den Cross Innovation Hub

Auf der Suche nach neuen Impulsen für Produkte, Prozesse und Abläufe wagen Unternehmen, Selbständige und Gründungsinteressierte immer häufiger den Blick über den Tellerrand hinweg in andere Branchen und Märkte. Gerade die Auseinandersetzung mit der Kreativwirtschaft, mit ihren besonderen Arbeitskulturen und innovativen Lösungsansätzen, kann neue Perspektiven eröffnen. Im Cross Innovation Hub regen wir mit laufend neuen Angeboten zu Austausch, Vernetzung und Zusammenarbeit zwischen den Branchen an. In diesem Rahmen entwickelte Ansätze begleiten wir mit aufbauenden Angeboten auf dem Weg zu wirtschaftlich tragfähigen Geschäftsideen.

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