23.5.2018

Digitale Transformation

Fashiontech: Algorithmen als Inspirationsquelle

Die Ingenieurin, Designerin und Autorin Lina Wassong nutzt die gestalterischen Möglichkeiten digitaler Fertigungsverfahren um interaktive Fashion-Designs und Accessoires zu entwickeln.

Frau Wassong, in Ihrem Beruf als Modedesignerin setzen Sie auf Lasercutting und 3D Druck statt Nadel und Faden. Warum?

Durch den Einsatz digitaler Fertigungsverfahren wird eine Bearbeitung von Materialien ermöglicht, die vorher undenkbar gewesen wäre. Es können CAD-Dateien mit kreativer Software erstellt werden, um, wie beim Lasercutting, zweidimensionale Flächen zu gravieren/auszuschneiden oder wie beim 3D Drucken dreidimensionale Objekte herzustellen. Digitale Fertigungsverfahren ermöglichen jedem Designer die Herstellung von personalisierten und qualitativ hochwertigen Produkten. Auf Nadel und Faden habe ich aber noch nicht komplett verzichtet...
 
Welche Materialien verwenden Sie?
 
Bei Textilien verwende ich gerne pflegeleichte Materialien, wie z.B. Polyester oder Leder. Außerdem lassen sich diese Materialien gut mit dem Lasercutter bearbeiten. Beim 3D Druck gibt es mittlerweile sehr viel Auswahl. Wenn ich einen Test-Druck in meinem Studio anfertige, handelt es sich um Filament aus PLA, also Polylactide. Bestelle ich den Druck über einen Onlinedienst, reichen die Materialien von Kunststoff über Metall bis hin zu Porzellan. Meistens komme ich hier auf einen flexiblen Pulverdruck aus Nylon zurück.
 
Was inspiriert Sie?
 
Inspirationsquellen finde ich an den verschiedensten Stellen. Manchmal ist es neue Elektronik, mit der ich gerne auseinandersetzen möchte oder interessante Maschinen, die zum Testen einladen. Im Moment finde ich generative Gestaltung für 3D Objekte sehr spannend. Hierbei handelt es sich um Algorithmen, die teils dreidimensionale Objekte entstehen lassen oder auch deren Oberfläche manipulieren.
 
Wie sieht für Sie die Mode der Zukunft aus?

Bisher werden digitale Fertigungsverfahren in bekannten Modehäuser weniger angewandt. Jedoch wird dies im Bereich Haute Couture sicherlich in naher Zukunft ansteigen. Ob es anschließend auch für den Konsumenten im Laden erwerblich ist, wage ich zu bezweifeln. Verglichen mit traditionellen Herstellungsverfahren ist das 3D Drucken bisher noch viel zu zeitintensiv. Auf der anderen Seite wird der Bereich Customization, also kundenspezifische Anpassung, in der Bekleidungsindustrie deutlich zunehmen.

 

Mode-Designerin und Autorin Lina Wassong verbrachte während ihres Studiums der Bekleidungstechnik an der HAW Hamburg einen Auslandsaufenthalt in San Francisco. Dieser inspirierte sie, sich mit der kreativen Seite von Elektronik, Software und Maschinen auseinanderzusetzen. Seitdem gestaltet Wassong, neben ihrer Arbeit als Autorin, interaktive Fashion-Designs und Accessoires. Bei unserem Digitalkongress Mind the Progress diskutierte sie in einem Panel zum Thema Digital Art.

 

Über Mind the Progress

Mit Mind the Progress haben wir 2018 einen neuen Digitalkongress ins Leben gerufen, der Inhalt und Technologie, Kreativität und Digitalisierung zueinander ins Verhältnis setzt. Bestimmt die Form den Inhalt oder der Inhalt die Form? Gegenwärtige und historische Ansätze mischen sich mit Visionen und Utopien der Zukunft. Keynotes, Vorträge und Panels von lokalen, nationalen und internationalen Speaker/innen werden durch ein künstlerisch-technisches Rahmenprogramm ergänzt. Eine Fortsetzung in 2019 ist geplant. 

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