Der Cross Innovation Hub wird mit Mitteln aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) co-finanziert.

23.3.2022

Beratung & Weiterbildung

"Die digitale Welt ist keine, die irgendwo steht und die man begehen kann, sondern eine, die man mitgestaltet."

 

Die Hamburger Theaterregisseurin Isabel Osthues-Sander widmet sich in der Creative Future Academy seit Oktober 2021 der Frage, wie sie Digitalität für Theater nutzen kann. Dabei begleitet sie Kommunikationsdesignerin, 3D Artist und New Media Consultant Ninu Dramis mit Rat und Tat. 

 

Warum habt Ihr euch bei der Creative Future Academy beworben?

Ninu: Ich komme eigentlich aus dem Kommunikationsdesign und habe mich auf all die neuen Technologien ausgerichtet wie 3D und Virtual Reality. Ich wollte mein Wissen weitergeben und fand es auch für mich interessant, mit Leuten zusammenzuarbeiten, die da einen Bedarf haben, vielleicht in einem anderen Bereich arbeiten und mich auch inspirieren. Wir sind dann perfekt gematched worden, weil unsere Bereiche relativ gut zusammenpassen. Ich habe gerade angefangen mit Inszenierungen in Räumen, meistens 3D, Virtual Reality, usw., und dann kam Theater auf mich zu letztes Jahr. Ich arbeite aktuell an neuen Projekten im Inszenierungsbereich und da kommen wir glaube ich ganz gut zusammen.

Isabel: Ich komme aus einer ganz anderen Ecke als Ninu. Ich bin analog unterwegs, bin Theaterregisseurin. Und ich habe mich beworben, weil ich einfach für mich das Digitale entdecken möchte. Meine Frage ist tatsächlich: Wie kann ich das für Theater nutzen? Oder was möchte ich aus der digitalen Welt für mich im Theater nutzen? Und ich freue mich total, dass ich Ninu getroffen habe. Ich würde auch sagen, dass wir ein perfektes Match sind, weil wir uns sehr schön gegenseitig inspirieren. Ich entwickle gerade ein Theaterprojekt und im Austausch mit Ninu lerne ich viel und es erschließen sich mir neue Welten.

Wie sieht das Projekt aus, an dem ihr gerade arbeitet?

Isabel: Ich adaptiere gerade eine Erzählung fürs Theater, in der sich die Hauptfigur aus der Gesellschaft rauszieht. Diese Figur stellt sich auf die unterste Stufe der sozialen Hierarchie, um sich unangreifbar oder auch unsichtbar zu machen. Meiner Meinung nach passt diese Erzählung sehr gut in unsere Gegenwart, sie stellt Fragen nach dem Umgang mit all den Krisen, die wir zum größten Teil selbst verschulden, sie forcieren und denen wir gleichzeitig als Menschen ausgesetzt sind. Eine sehr poetisch erzählte Geschichte, die um große philosophische Fragen kreist. Ich suche gerade nach Möglichkeiten, diese poetische Erzählweise mit digitalen Mitteln auf das Theater zu übertragen und für ein Publikum erlebbar zu machen.

Welche digitalen Ansätze gibt es, mit denen sich solche inhaltlichen Ideen umsetzen lassen?

Ninu: Ich habe von einigen Theaterforschungsprojekten gehört und in einem Projekt entwickeln wir gerade 3D-Erlebnisse fürs Museum sowie ein Theaterfestival, das dem Publikum dezentral übers Smartphone präsentiert wird - bebildert mit digitalen Avataren. Da gibt es unterschiedliche Möglichkeiten, Raum zu erleben - auch über Chaträume. Und von solchen Ansätzen und Techniken, die ich gerade in Echtzeit auf dem Markt erlebe, erzähle ich Isabel. Davor hatte ich mehr mit Mode und Werbung zu tun. Und jetzt gerate ich mehr in die Theaterwelt. Das ist perfekt vom Timing, weil ich dann auch von ihr viel lernen kann.

 

 

Lässt sich sagen, welche Tools bei Isabels Theaterprojekt zum Einsatz kommen könnten?

Ninu: Wir sind gerade daran zu gucken, was für emotionale Welten sich mit Videounterstützung schaffen lassen.

Isabel: Es geht mir dabei nicht um klassische Videos, sondern mehr um einen abstrakteren Einsatz. Ich will keine Bilder zeigen, die etwas abbilden, sondern ich möchte mittels der Bilder Gefühle erzeugen. Ich möchte Bilder entwerfen, die wie Musik funktionieren, eine Atmosphäre erzeugen und emotional erlebbar sind.

Wer sollte sich eurer Meinung nach bei der Creative Future Academy bewerben?

Ninu: Ich würde sagen, wenn man den Eindruck hat, ein bisschen in der Sackgasse gelandet zu sein und nicht so richtig weiß, wie man sich den neuen digitalen Gegebenheiten anpassen kann. Oder wenn man bei einer neuen Idee ganz am Anfang steht und Hilfe braucht, sie auf den Weg zu bringen. Oder wenn man in seinen eigenen Strukturen festsitzt und einen neuen Impuls und Inspiration braucht. Manchmal reicht es nicht, einfach zu googlen, sondern man braucht jemanden, der neue Erfahrungen oder Ideen hat. Ich denke auch, dass ich mich nochmal bewerbe, weil ich das recht spannend finde.

Isabel: Das Match ist ein Riesen-Vorteil, weil es eine total schöne Arbeitsweise ist, mit einer Person die eigenen Herausforderungen durchzugehen. Man wird an die Hand genommen und erschließt sich zusammen noch unbekanntes Terrain. Das ist total schön und ein Lernerlebnis, das man sonst nicht hat. Gerade als Selbstständige*r arbeitet man so viel allein, dass es sehr inspirierend ist, mit einem Gegenüber 1:1 zu lernen. Man kommt so viel schneller in unbekannte Welten bzw. dort voran, wo man hilflos ist.

Ninu: Ich glaube, man muss offen und flexibel in die Academy gehen. Das ist ganz wichtig. Meine größte Befürchtung war, dass ich mit jemandem gematched werde, der in seinem Projekt nicht flexibel genug ist.

Welche Ratschläge würdet Ihr Kreativschaffende im Bereich Digitalisierung geben?

Ninu: Mir hilft es, mich mit Menschen auszutauschen, die sich nicht in meiner Blase bewegen.

Isabel: Ich würde sagen: Rausgehen, Praxiserfahrung sammeln. Nicht nur Informationen generieren, sondern ins Machen kommen. Die digitale Welt ist keine, die irgendwo steht und man begehen kann, sondern eine, die man mitgestaltet. Das finde ich spannend, da einzutauchen und zu sagen: Da gestalte ich mit.

 

Vielen Dank für das Gespräch, Ninu und Isabel!

 

Über die Creative Future Academy

Die Creative Future Academy wird als Teil der Reaktion der Europäischen Union auf die COVID-19- Pandemie aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds (ESF) entwickelt, von der Freien und Hansestadt Hamburg (FHH) finanziert sowie im Rahmen des Hamburger Weiterbildungsbonus PLUS umgesetzt. Sie unterstützt Kreativschaffende bei der Digitalisierung ihrer Projekte und Geschäftsmodelle. Wir schätzen Vielfalt und begrüßen Bewerber*innen unabhängig von Geschlecht, Nationalität, ethnischer oder sozialer Herkunft, Religion, Alter und sexueller Orientierung.

Isabel Osthues-Sander

Theaterregisseurin

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