17.8.2021

Mind the Progress 2021

3 Fragen an Dr. Ulf Buermeyer, Dr. Sarah Spiekermann-Hoff und Schlecky Silberstein

Mind the Progress rückt näher. Unser Kongress für alle, die digitalen Wandel mitdenken und -gestalten möchten, kommt zurück in den Hamburger Oberhafen! Dieses Jahr will Mind the Progress „unseren digitalen Blindflug“ beenden und fragt: Was müssen wir heute tun, um eine positive digitale Zukunft zu provozieren? Wir wollten vorab von drei unserer Speaker*innen wissen: Wie sieht deine digitale Utopie aus? Bei welchen Fragen befindest du dich im digitalen Blindflug? Und was hast du zuletzt an deinem persönlichen Digital-Verhalten verändert? 

 

Dr. Ulf Buermeyer, Jurist und "Lage der Nation"-Host

Spätestens seit dem Durchbruch des Politik-Podcasts Lage der Nation, den er zusammen mit dem Journalisten Philip Banse hosted, kennt man Ulf Buermeyer als redegewandten Experten für juristische Fragen. Umso mehr freuen wir uns, dass der Berliner Richter die Abschlusskeynote (hosted von nextMedia.Hamburg) bei Mind the Progress hält. Am Samstag klärt er uns über #Europas Ambitionen für digitale Grundrechte auf, heute wollen wir von ihm wissen: 

Hamburg Kreativ Gesellschaft: Wie sieht deine digitale Utopie aus? 

Dr, Ulf Buermeyer: Ich wünsche mir ein Internet, in dem rechtliche Grenzen z.B. des Tracking und der Profilbildung für Werbezwecke wirklich eingehalten werden: Die Datenschutz-Grundverordnung war ein großen Schritt nach vorn, was die rechtliche Regulierung angeht. Nun muss die Rechtsdurchsetzung nachziehen, damit nicht diejenigen Unternehmen Wettbewerbsnachteile haben, die sich an Recht und Gesetz halten.

Bei welchen Fragen befindest du dich im digitalen Blindflug? 

Was weiß Google eigentlich wirklich über mich?

Was hast du zuletzt an deinem persönlichen Digital-Verhalten verändert?

Ich setze inzwischen wann immer es möglich ist auf Nachrichten und Telefongespräche über Apps, die Ende-zu-Ende verschlüsseln, statt auf „normale“ Telefonate oder SMS. Dabei geht es mir gar nicht so sehr darum, ob ich konkret etwas zu verbergen habe: Apps wie Signal sind schlicht ein sehr einfaches Mittel, die eigene Datenspur möglichst schmal und lückenhaft zu halten.

 

Dr. Sarah Spiekermann-Hoff, Wirtschaftsinformatikerin und Expertin für digitale Ethik 

Dr. Sarah Spiekermann-Hoff ist Wissenschaftlerin, Autorin, Referentin und Beraterin für digitale Ethik. Seit 2009 leitet sie das „Institut für Wirtschaftsinformatik & Gesellschaft“ an der Wirtschaftsuniversität in Wien, an dem sie 2016 das „Sustainability Computing Lab“ gründete. Spiekermann-Hoff hat nicht nur Bücher über digitale Ethik geschrieben, sondern auch als Co-Autorin an den US/EU-Datenschutzbestimmungen mitgewirkt. Mit ihrer Expertise unterstützt sie als Beraterin außerdem Unternehmen und Regierungsinstitutionen wie die EU-Kommission und die OECD.

Hamburg Kreativ Gesellschaft: Wie sieht deine digitale Utopie aus? 

Dr. Sarah Spiekermann-Hoff: Das Digitale spielt eine untergeordnete Rolle. Ähnlich wie Strom, ist es breitbandig gesundheitsverträglich auch im letzten Dorf verlässlich verfügbar, aber es spielt dieselbe Rolle wie Strom: es ist eine unsichtbare Dienstleistung, die mich nicht beschäftigt. Ich benutze das Digitale in dieser Welt nur dort, wo es mir dient. Es spricht nicht, blinkt nicht, pingt nicht, zeichnet nichts auf, macht mich nicht abhängig und unterstützt nur ganz partiell die Organisation sozialer Beziehungen ohne sie zu (z)ersetzen.

Bei welchen Fragen befindest du dich im digitalen Blindflug? 

Es ist mein Job, bei Digitalfragen nicht an Blindflug zu leiden. Aber in Zeiten gekaufter Wissenschaft und florierender Echokammern ist es schwer, die Wahrheit über die echten Grenzen und Wirkungen von Technologie zu kennen: Ist 5 G nun gesundheitsschädlich oder nicht? Wie intelligent kann eine KI tatsächlich werden? Wie stark ist die Verdummung unserer Kinder wirklich, wenn sie zu viel digital unterwegs sind oder wird die Verdummung ausgeglichen durch die digitale Förderung neuer Eigenschaften, die der Sorge und dem Erhalt der Welt dienen können?

Was hast du zuletzt an deinem persönlichen Digital-Verhalten verändert?

Ich habe zwischenzeitlich Netflix und Videostreaming reduziert und e-mails auf 1-2x täglich geblockt. Aber ich werde immer wieder rückfällig.

 

Schlecky Silberstein, Autor, Schauspieler und Blogger 

Schlecky Silberstein begann seine Karriere im Satire-Geschäft 2003 im Rahmen eines unfreiwilligen Praktikums bei der Deutschen Bundeswehr. Anschließend absolvierte er ein halbes Studium der Volkswirtschaftslehre, um von 2006 bis 2012 als Werbetexter zu arbeiten. Parallel gründete Silberstein den Blog „schleckysilberstein.com“, auf dem er sich mit Phänomenen der Webkultur auseinandersetzt. Mit dem „Bohemian Browser Ballett“ verantwortete Silberstein 2016 seine eigene Satire Show, die 2019 mit „Grimme Preis“ gekürt wurde. 2018 veröffentlichte er das Buch „Das Internet muss weg” und gründete die „Gesellschaft für Digitale Ethik“, deren Vorstand er heute ist. Die „Gesellschaft für Digitale Ethik“ setzt sich für Rechte im digitalen Raum ein und versucht Regeln für Digitalplattformen zu erstreiten.

Hamburg Kreativ Gesellschaft: Wie sieht deine digitale Utopie aus? 

Schlecky Silberstein: In der digitalen Utopie gibt es verbindliche Regeln für Digitalplattformen sowie eine zuständige Aufsichtsbehörde, die Einsicht in Interaktionsalgorithmen bekommt und diese autorisieren muss. User bekommen Eigentumsrechte für ihre Daten und werden finanziell für die Preisgabe kompensiert, so dass Digitalplattformen keinen Anreiz haben pauschal sämtliche Daten zu verwerten. Und Medienkompetenz wird ein Schulfach.

Bei welchen Fragen befindest du dich im digitalen Blindflug? 

Schaffe ich es noch, mich selbst zu lieben, oder brauche ich dafür schon Anerkennung von Menschen, die ich nie getroffen habe?

Was hast du zuletzt an deinem persönlichen Digital-Verhalten verändert?

Ich habe mich zu Positivität verpflichtet und teile Dinge, die mich ärgern, nicht mehr online.

 

Danke für eure Antworten, Ulf Buermeyer, Sarah Spiekermann und Schlecky Silberstein! Mehr davon am 20. und 21. August bei Mind the Progress – sichert euch jetzt ein Ticket

 

 

Über Mind the Progress

Mind the Progress ist ein Kongress, der einmal im Jahr Impulse für eine digitale Zukunft gibt. Wir fragen: Was können wir heute für eine positive digitale Zukunft tun? Mind the Progress antwortet. 

 

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